»– zu zehnjähriger Zwangsarbeit bei den Straßenbauten im Elbrusgebirge.«

Mir fiel auf, daß der Konsul solches mit einer gewissen Trauer sagte. Ich wußte noch nicht, was es heißt, zehn Jahre Zwangsarbeit in Persien. Keiner überdauert sie, es ist eine langsame Hinrichtung.

»Zugunsten des Mädchens,« fuhr mein Berichterstatter fort, »fand der Schah, der sich für den Fall persönlich interessierte, die Deutung des Kalifen, nach welcher die Sünderin durch eine Wallfahrt nach der heiligen Stadt Kum in der Salzwüste gereinigt werden könne. Sie ist aber nicht in die Salzwüste, sondern unter heimlichen Begünstigungen ins Elbrusgebirge gezogen, wo der Verurteilte seine Strafe sofort angetreten hatte.«

»Ich finde ihn nicht in Teheran?« war meine Frage.

»Sie finden ihn auch im Gebirge nicht,« antwortete der Konsul.

»Sie foltern mich, Herr! Was soll ich denn tun?« rief ich, von meinem Diwan aufspringend, denn die Sehnsucht nach meinem unglücklichen Verwandten verzehrte mich.

»Sie müssen zum Großwesir gehen,« sagte mein Gastherr mit blinzelnden Augen. Da hatte ich genug.

»Den Großwesir bestechen? Ich bin arm.«

»Bringen Sie ihm, was Sie haben, Ihren Mut, Ihre Liebe zum Blutsverwandten, vielleicht rührt ihn das. Unser neuer Großwesir ist nicht so schlimm wie sein Name. Wäre er vor zwei Monaten schon in seiner Würde gestanden, wir hätten das mit Ihrem Vetter nicht erlebt. Er kann uns helfen, kommen Sie nur, ich begleite Sie zu ihm.«

Diese plötzliche Zuversicht meines Konsuls richtete mich auf; ich fühlte kein steifes Bein mehr, aber auch kein steifes Rückgrat; es soll sich ordentlich biegen, wenn's dem Anton gilt. Mein Gastherr klingelte seinem Burschen, einem flinken Kaukasier; die Pferde wurden vorgeführt, wir ritten zum Großwesir.