»Ich bitte Sie, meine Spannung!«

»… recte das Weib dazwischen gekommen wäre.«

»Ein Einbruch in den Harem?«

»Mit nichten,« sagte der Konsul. »Ihr Vetter hat weder eine Frau des Schah noch die eines anderen Mannes auch nur mit einem Blick entweiht. Der junge Meister aus der königlichen Münze war bescheiden genug; der Tochter eines teheranischen Lederhändlers schaute er hinter den Schleier und erwählte sie. Ich habe sie mit meinen eigenen Augen gesehen, und ich sage Ihnen, es gibt nichts Schöneres auf Erden! Mit ihrem Vater war sie erst vor kurzem aus Ispahan eingewandert. Nun, die Leutchen liebten sich; der Vater drückte erst ein Auge zu, dann auch das zweite, und machte sie endlich gar nicht mehr auf, denn er starb auf einer Handelsreise nach Armenien an der Pest. Nun waren die jungen Leute sich selbst überlassen und wohnten in einem reizenden Häuschen des europäischen Quartiers. Die Idylle blieb nicht lange verborgen; von Derwischen angeführt, brach in Abwesenheit des Münzmeisters eine Rotte in sein Haus, warf ein Tuch über das Haupt des Mädchens, schleppte es davon, um es auf öffentlichem Platze hinzurichten.«

»Um des Himmels willen, was erzählen Sie denn da?« rief ich aufspringend aus.

»Bleiben Sie sitzen und hören Sie die Tafel des Kalifen: Wenn eine Anhängerin der Rechtgläubigen – des Mohammedanismus – sich mit einem Ungläubigen paart, so soll sie getötet werden. – Dem ist aber vorzubeugen, wenn der Mann sich zum Islam bekennt und sie zu seinem rechtmäßigen Weibe macht. Das österreichische Konsulat griff sofort ein. Ich begab mich zum trostlosen Münzmeister, um ihn zum formellen Bekenntnisse des Islams zu bewegen, traf ihn aber nicht mehr in der Werkstätte. Er war zur Moschee geeilt, in der seine Braut gefangen gehalten wurde, und schleuderte dort einen Derwisch, der ihm den Eintritt verwehren wollte, so heftig an die Marmorbrüstung, daß der zusammenstürzte und für alle Zeit auf das Aufstehen verzichtet hat. Die fanatische Menge nahm den Gewalttätigen natürlich gefangen, um ihn der Tafel des Kalifen zu überliefern, die da spricht: Wer Blut vergießt, dessen Blut soll auch vergossen werden. – Die Gesandtschaft machte alle erdenklichen Anstrengungen, ihn zu retten: er selbst gab alle Hoffnung auf, nur Muselman wollte er vor seinem Tod noch werden, um die Braut zu retten. Damit war's aber zu spät. Die Tafel des Kalifen sagt: Ein Ungläubiger, der einen Derwisch erschlägt, kann nimmer des Islams sein.«

»Also beide verloren?«

»Ich habe mich an die übrigen europäischen Gesandtschaften gewendet in dieser Sache, allein die Tafel des Kalifen sagt: Der Islam steht über allen Gesetzen. – Und doch, Freund, haben wir Unglaubliches erreicht. In einer der europäischen Anwandlungen, denen der Schah – Allah segne ihn! – bisweilen unterworfen ist, hat er seinen Münzmeister begnadigt –«

»Begnadigt?!« Ein heißer Freudenschreck.