Nun trat seine Exzellenz herein, das schrecklich schöne Gewand hatte er abgelegt. Doch sah er mit seinem an beiden Seiten niederhängenden Schnurrbart, mit der breiten, maikäferbraunen Leibbinde, in der scharlachroten Pumphose und den gelbseidenen Sandalen immer noch türkisch genug aus. Sonst war's das breite, wohlgerötete steirische Gesicht mit den frischen grauen Augen. Nun ließ sich ja mit ihm reden. »Gelt,« sagte er, mich bei der Hand fassend, »du bist nit bös, daß ich den Spaß gemacht hab'. Für die ausgestandene Angst müssen wir doch auch ein Pläsier haben.« Aber als ich mich höflich nach seiner Frau Gemahlin erkundigte, und ob ich ihr vorgestellt werden könne, da kam wieder die Tafel des Kalifen Abu Bekr: Wer Begehr nach der Frau seines Gastherrn hat, der soll mit dem Tode bestraft werden.

»Sehr gütig, Exzellenz, darf ich noch fragen, wann der nächste Zug nach Europa abgeht? Den Karawanenzug meine ich.«

Aber das begann doch immer gemütlicher zu werden, und bald fand ich, daß es doch gar nicht so übel ist, Geschwisterkind und Gast des Großwesirs von Persien zu sein. Auch dem Schah wurde ich vorgestellt: der war sehr leutselig, erkundigte sich nach Wien und den Wienern, die er ein paar Jahre vorher besucht hatte, erkundigte sich besonders nach der Naschhütte neben dem zweiten Kaffeehaus im Prater, und was die Volkssänger Schrammeln machten. Dann schneuzte er sich mit den Fingern und trippelte davon.

Noch lieber hätte ich die Gemahlin des jungen Großwesirs, die schöne Fatima gesehen. Der Konsul zeigte mir auch die Fenster des Harems. Diese waren sehr unzugänglich, und ich erwog, ob es den Herrn Vetter arg verdrießen würde, wenn ich es einmal mit dem steirischen Fensterln versuchte, in welchem er selbst einst Meister gewesen war. In Anbetracht der bekannten asiatischen Sitten habe ich's aber unterlassen.

Nach fünfwöchentlichem Aufenthalt in Teheran ward mir der persische Boden endlich heiß unter den Füßen; mit Teppichen, Pelzen, Gewürzen und einem krummen Ehrensäbel beschenkt reiste ich ab, vollkommen beruhigt über das Befinden meines lieben Vetters Anton.

Das Versprechen hat er mir gegeben, mich gelegentlich daheim zu besuchen. Bis dato ist er nicht erschienen. Unser Briefwechsel blieb ein lebhafter. Seine Brüder in Steiermark rauchen den feinsten türkischen Tabak. Im Jahre 1887 hat er seinen Abschied genommen und sich in Unteritalien bei Potenza ein Landgut gekauft. Als ich ihn im vorigen Frühjahr einlud, uns doch einmal zu besuchen und zuverläßlich auch die Frau Schwägerin Fatime mitzubringen, lehnte er ab und kam wieder mit seiner verdammten Tafel des Kalifen.

Ach du mein! Ich achte ja diese Tafeln. Wie schön zum Beispiel ist der Satz: Wenn du lügst, dann tue es so dick, daß man dir nicht glaubt.


Reisebilder aus jungen Jahren.