»Die Forellen meine ich.«
»Ah so. Na, die werden nicht mehr besser.«
»Gut, lasse sie da.«
Am Abend desselben Tages war kein Gast vorhanden, und der Erzfürst saß bei den blaugesottenen Forellen allein. Er rief den Zimmermann, ob er Forellen liebe?
Aber der Meister lag schon in seinem Bett und seufzte. In letzter Zeit litt er an der Gicht. So saß Seine Durchlaucht einsam da. Der Kammerdiener war brummig. Wenn die Tiere wenigstens lebendig gewesen wären. Aber sie lagen feierlich auf dem Silberteller, sie waren so sinnig mit einem grünen Kranz von Krautwerk umgeben, wie sich selbst ein Erzfürst keine schönere Aufbahrung wünschen könnte. – Der Fürst fand am Essen kein Vergnügen, er stand vom Tische auf, faßte den silbernen Armleuchter und stellte sich damit vor den Spiegel. Seit einiger Zeit hatte er sich den Schnurrbart wachsen lassen, der war durchaus noch nicht grau, sondern hübsch nußbraun, wie der Meister Reimar die Kästen streicht. Aber was anfangen? In der Jugend hatte er wohl gelernt, wie man Weiber gewinnt, doch wie man um ein Weib freit, das schien ihm eine verdammt heikle Aufgabe. In solchem Falle kann der Herrscher nicht einmal seine Geheimräte zu Rate ziehen. Das kommt nun davon, daß er mit den Nachbarspotentaten den Verkehr so völlig vernachlässigt hat. Übrigens hatte der Fürst auf seinen Weltreisen Reiche kennen gelernt, deren mächtige Herrscher sich in der Wahl einer Ehefrau durchaus nicht einschränken lassen. Bei uns ist dem Prinzen eine Prinzessin vorgeschrieben. Zwei Gekrönte auf einem Thron, ist das aristokratisch?
Am nächsten Tage trat der Fürst gelegentlich in die Tischlerwerkstatt, um der Arbeit des Alten zuzusehen, der nur das Zimmerhandwerk gelernt hatte und nun die edelsten Tischlerarbeiten schuf. Meister Reimar lag aber im Bette, und ein Mädchen war da, das ihn pflegte. Das machte sich gar nichts draus, als der gnädige Herr eintrat, sondern beschäftigte sich eifrig damit, dem Alten warme Tücher um die Beine zu winden und ihm die Kissen zurecht zu legen. Dieses Mädchen hatte ein Haar wie Seide. Wie Naturseide, so lichtgelb und zart. Das waren gar keine Haarfäden mehr, das war purer Flaum; so wallte es hinter den rundlichen Achseln hinab, und in der Mitte war es lose zusammengehalten mit einem blauen Bändchen. Der Fürst ging hinaus in seinen Tiergarten, dort hatte er etliche Hirsche und Rehe drinnen und in einem hohen Drahtgeflechte zwei Fasanen. Die Hirsche waren noch nicht zahm, flohen mit hochgetragenem Gestämme ins Dickicht. Ein klaräugiges Rehlein blieb vor dem hohen Besuche stehen, ohne irgendein Zeichen von Angst oder Ehrfurcht. Der Fürst legte gesalzenes Brot in die hohle Hand und hielt es ihm vor. Das Reh schnupperte hin, fraß es aber nicht. Da trat ein junger Mensch hinzu und sagte: »Wetten wir was, gnädiger Herr, von mir nimmt es das Brot!«
»Kümmere dich um deine Forellen!« sprach der Herr und wandte sich ab, denn der dreiste Ton des Burschen war ihm zuwider. Diesen Fischerjungen muß man unter die Soldaten stecken, daß er Manier lerne. –
»Na, Alter, klappt's heute mit den Beinen?« fragte Seine Durchlaucht an einem nächsten Tage, als Meister Reimar wieder bei der Arbeit war.
»Schön Dank, gnädiger Herr, es tut's wieder.«