Der Fürst hat auf solchen Bescheid seines Untertans zu Boden gestarrt und vielleicht sogar mit einer gewissen Wehmut der guten alten Zeit gedacht, da man so schöne Tischlerarbeit machte, und da man solch schöne Tischlerarbeit den Untertanen gelassen wegnehmen konnte.

Als hierauf die Hausmutter in die Stube trat, um mit Weißbrot und gelber Butter den Landesvater zu ehren, sagte zu ihr der Bauer: »Das ist mir rechtschaffen zuwider, Brigitta. Unser Herr hat Gefallen an diesen Kästen, und wir mögen sie nicht weggeben.«

Die Hausmutter sprach: »Da wird leicht geholfen sein. Diese Kästen hat der Zimmermann Reimar gemacht vor dreißig Jahren, wie wir zusammen geheiratet haben, und der Reimar lebt noch. – Gnädiger Herr, bitt' gar schön, ein Stückel Brot und ein Batzel Butter nicht zu verschmähen.«

Der Fürst setzte sich an den Tisch und griff zu. Dieweilen wurde nach dem Zimmermann Reimar geschickt. Der hatte einen krummen Fuß, kam am Abend in den Fürstenhof und blieb dort. Er ist dort geblieben etliche Jahre lang. Er hat zeitweilig einen Gesellen mitbeschäftigt, die längste Weile aber allein gearbeitet, er hat dem Landesfürsten das Haus eingerichtet. Die drei großen Stuben waren schon von alters her mit gutem Holz und schlichtem Schnitzwerk ausgetäfelt und geziert, so wollte der Fürst noch ein Nebengemach traulich einrichten lassen mit Täfelung, Truhen und Kästen und einem geräumigen Himmelbette. Da hatte also der alte Reimar zu schaffen. Er ließ sich gute Weile dabei und baute. Er baute ein Wandgesimse, eine Gerätetruhe, zwei breite Gewandkästen, eine Ofenbank, einen Uhrkasten und endlich das stattliche Himmelbett mit dem Hute darüber, dessen jede Ecke versehen wurde mit dem Ornamente des dreiköpfigen Adlers. Er arbeitete ohne Vorbild und Pläne, die Zeichnungen machte er gleich mit Zimmerfarbe und Reißblei aufs Bau- oder Schnitzholz. Und dieses Holz war an zwanzig Jahre unter dem Dachvorsprung einer Scheune, hoch an der luftigen Wand gelegen, um gehörig austrocknen zu können. Der alte Reimar hatte ein Sprichwort: Der Bräutigam soll seine Braut und der Zimmermann sein Holz sieben Jahre lang kennen, bevor er anhebt. An grünem Holz tat er nicht einen Handgriff. Mit dem Hammer schlug er an den Block: Klingt's gut, so wollen wir in Gottes Namen anfangen! Die größte Stube des Hauses hatte er sich zur Werkstatt erkoren, da hobelte er, schnitt und schnitzte. Häufig saß der Fürst da und schaute dem weißhaarigen Meister in Hemdärmeln und mit dem Lederschurz bei der Arbeit zu. Die ging wie ein langsames Uhrwerk, aber jeder Handgriff hatte einen Zweck und eine Folge. Dabei war der Mann so behaglich und heiter, sagte manchmal ein spaßhaftes Wort, während sein altes Auge an der Arbeit haftete. Dem Fürsten tat der Anblick wohl, wie da ein kleiner Mann aus dem Volke seine Seele gleichsam in ein Kunstwerk umgestaltete, in dem sie fortleben wird, vielleicht länger als die Geschlechter, die an dem Werke mit Bewunderung und Liebe vorübergehen. Mehrmals geschah es, daß der Fürst sich sogar an den Tisch setzte, wo der Reimar sein Mahl einnahm. Denn mit dem Gesinde aß nur der Geselle, der Meister zog es vor, allein zu sein und machte auch mit dem Herrn nicht allzu viele Höflichkeiten. Wenn der Fürst das Butzenscheibenfenster des Erkers öffnete, so überblickte er sein Reich; der Zimmermann hätte das von sich nicht sagen können, er hatte sein Lebtag auch in anderen Tälern, selbst drüben im Herzogtume Häuser gebaut. Fürsten kann es geben, Zimmerleute muß es geben. Also fühlte er sich in dieser Burg nicht besonders untertänig.

Eines Tages kam der Fischerjunge Winard ins Haus und brachte auf dem Rücken eine Fischlagel mit, in der Wasser schwupperte. Er grüßte in der Stube ehrerbietig den Meister Reimar und fragte dem gnädigen Herrn nach.

Der alte Diener war vorhanden und berichtete, Seine Durchlaucht könnten jetzt nicht gestört werden, sie wären just beim Regieren.

»Wenn's nichts anders ist, so soll er nur herauskommen,« sagte der kühnliche Bursche, »ich muß wissen, ob der gnädige Herr die Forellen selber haben will, oder ob ich damit um ein Häusel weiter gehen soll. Heute ist Freitag, und morgen bringe ich sie nicht mehr an.«

Der Diener ging hinein, um das zu melden, da entschuldigte sich der Fürst artig vor seinem Ministerium, das aus dem Propste, dem Kreishauptmanne und dem Meister Grobschmied bestand, ging hinaus und ließ sich die Fische zeigen. Es waren stattliche Tiere und glitten munter in ihrem nassen Gemach auf und nieder.

»Sind sie nicht zu jung?«

»Ich bin zwanzig, gnädiger Herr,« antwortete der hübsche Bursche.