»Euere Enkelin? Sagtet Ihr nicht letzthin, daß Ihr ein alter Junggeselle wäret?« fragte der Fürst.

»Wie man halt eben so sagt,« antwortete der Zimmermann, »ist nur damit gemeint, daß ich nie verheiratet gewesen bin.«

»Und eine Enkelin, sagt Ihr?«

»Ja mein!« rief der Alte aus, dieweilen er mit dem Reifmesser an einem dreiköpfigen Adler herumschnitzte, »in dieser Sache hat sich der Mensch nicht zu beklagen, da ist alleweil Segen Gottes genug vorhanden.«

»Ist sie ein Tochterkind?«

»Ein Sohnkind, gnädiger Herr. Aber ehelicherweis. Mein Sohn ist braver gewesen wie ich.«

Der Fürst wandelte hernach in der Pappelallee auf und ab, die Hände am Rücken, das Haupt gesenkt. Seine verflogene Jugend hatte ihm kein solches Glück aufbewahrt. Wenn er einmal an der Gicht darniederliegt, wird ihm keine Enkelin warme Tücher um die Beine winden.

Von dieser Zeit an forschte Othmar III., wann der Zimmermann Reimar denn wieder einmal an der Gicht darniederliegen würde. Der ließ darauf warten. Hingegen kam eine sehr schöne Fronleichnamsprozession. An diesem Tage pflegte zu Schreckenburg aller Pomp entfaltet zu werden, den der Ort aufbrachte. In früherer Zeit war auch der Hofstaat ausgerückt, der Erzfürst in seiner vollsten Würde, Prinzen und Prinzessinnen, Edelknaben und Zofen, da strahlten an den Mänteln und Roben die Goldspangen, an den Diademen die Diamanten. Das war längst nicht mehr. Zur Zeit des schlichten Volksfürsten Othmar III. gab es derlei nicht zu sehen. In seinem schwarzen bürgerlichen Gewande, begleitet von den Spitzen der Behörden, ging er hinter dem Baldachin einher, sein entblößtes Haupt blinkte diesmal in der Sonne silberiger als je. Seine Andacht war an diesem Fronleichnamsfeste keine gewöhnliche. Vor der Priesterschaft wallten in langen weißen Gewändern vier Kranzjungfrauen dahin, die auf rotseidenen Kissen die Marterwerkzeuge Christi trugen. Diese Jungfrauen waren alle schön und blühend wie der Mai, aber eine davon war anders als die übrigen. Sie überragte die anderen um eine halbe Kopflänge, ihr Haar wallte wie eine lichte Seidenwelle über den Nacken hinab. Ihre Wangen waren wie die Blüte des Apfelbaums, ihr Haupt senkte sie nicht, wie die drei Genossinnen taten, zu Boden, aufrecht trug sie es, und ihr großes Auge mit dem feuchten Glanze schaute vor sich hin gegen die Berge, auf welchen der Himmel ruhte. Würdevoll wie eine Königin. Sie trug auf ihrem Kissen die Dornenkrone des Heilandes. Das ist die Krone des Volkes. Hat der Erzfürst eine bessere?

»Das Adlerschnitzen geht Euch gut von der Hand,« sagte am nächsten Tage der Fürst zum Zimmermann. Dieser hatte gerade wieder den dreiköpfigen in der Arbeit für das Himmelbett.