»Na, wohl doch nicht, gnädiger Herr. Das ist ein vertracktes Vieh. Da könnt's wohl auch passieren, daß man das Tier gar nicht erkennt, wie es dem alten Herzog drüben ergangen ist mit seinem zweiköpfigen. Dem hat sein Jäger einmal vom Hochgebirg einen Adler heimgebracht. So, das soll ein Adler sein? ruft der Herzog dem Jäger zu, du mit deinem Jägerlatein bleibe mir vom Leib! Glaubst du, ich kenne den Adler nicht? Ein Adler hat zwei Köpfe.«

»Und unserer hat drei,« lachte der Fürst, belustigt von dem Spottgeschichtchen, das man über seinen Nachbar erzählte. Dann sprang er über: »Was meint Ihr, Meister, sollten die hohen Herrschaften aus ihren Wappen nicht einmal das Tier herausnehmen und den Menschen hineingeben?«

»Oho, den brächte unsereiner noch weniger zuweg. Der Mensch, heißt es, soll in der Kunst das allerschwerste sein.«

»Es müßte ja gerade kein geschnitzter sein? Vielmehr ein lebendiger, wie ihn Gott erschaffen hat! Was meint Ihr dazu?«

»He he,« lachte der Alte, wie auf einen Spaß.

Der Fürst rückte dem Zimmermann näher und setzte sich auf das Hinterteil der Schnitzbank. Plötzlich sagte er: »Meister Reimar, machet Feierabend für heute. Wir wollen einmal eins plaudern mitsammen.«

Der Alte hing das Schnitzmesser an die Wand, befreite das dreiköpfige Ungeheuer aus der Zwänge und dachte: Wohl eine rechte Freud', so was. Wie unser gnädiger Herr gemein ist! In seiner Weise wollte er damit der Leutseligkeit des Fürsten ein Lob zudenken.

»Wird Euch Eure Enkelin nicht bald wieder einmal besuchen? Wo wohnt sie denn? Nehmet sie doch ganz zu Euch, Vater Reimar, in diesem Hause ist Platz genug.«

Der Antrag rührte den Alten fast zu Tränen.

Eine Woche später war der Fürst bereits in der Lage, heimlich seine Studien zu machen an dem schönen heiteren Mädchen, das in dem Schlosse herumwirtschaftete, so geschickt, harmlos und fein, als wäre es darin geboren worden. Nach wenigen Tagen beherrschte es in Form einer fröhlichen Dienstfertigkeit die Beschließerin und die alte Kochfrau, ohne daß diese es merkten. Sie war die Unbefangenheit selber, auch dem Fürsten gegenüber. Dieser ging scharf drein, denn viel überflüssige Zeit war nicht mehr vorhanden. Eines Tages befahl er, das Frühstück solle ihm die Hedwig auf das Zimmer bringen. Und diese lud er ein: »Willst du nicht auch eine Tasse mit mir trinken?«