»O Gott!« lachte das Mädel auf, »wann hab' ich heut' schon gefrühstückt! Das ist schon lang geschehen.«
»So bist du am Ende wieder hungerig?«
»Das tät' sich doch nicht schicken,« antwortete sie. »Wenn dem gnädigen Herrn schon allein die Zeit lang wird beim Frühstück, so soll er halt eine gnädige Frau dazu nehmen.« Das sagte sie munter und harmlos hin. Der Fürst aber stand auf und trat rasch auf sie zu. So rasch, daß sie erschrocken einen Schritt zurückwich. »Hedwig!« sagte er leise, und sonst nichts – kein Wort. Sie verließ schnell das Zimmer.
Der Kammerdiener des Fürsten bat noch an demselben Tage um seinen Abschied. Wenn ihm gar schon eine Bauerndrulle vorgezogen werde zur Bedienung! Man hätte es ihm gar so deutlich nicht zu machen gebraucht, auch etwas weniger deutlich hätte er verstanden, daß er überflüssig geworden sei … Laut grölend wandte er sich gegen die Wand.
»Franz,« sprach der Fürst zu ihm mit gütiger Stimme, »Franz, du bist ein altes Schaf.« Das alte Schaf hat den Abschied nicht erhalten. –
»Herr Reimar! Herr Hoftischlermeister!« rief es eines Tages hinter ihm, als der Zimmermann zur Dämmerstunde durch den ruhsamen Park ging und sein Abendgebet verrichtete. Und als er sich umwandte, sah er, wie ein junger Mann auf ihn zueilte. Es war aber der Fürst, der so flinke Schritte machte und so frisch aufgelegt war.
»Herr Tischlermeister!« fuhr der nahekommende Herr fort, »wollt Ihr ein schönes Märchen hören? Es ist sehr alt, vielleicht kennt Ihr es schon von der Mutter her.«
Der Zimmermann blieb ehrerbietig stehen und horchte.
»Es war einmal ein König,« begann der Fürst, den Alten am Arm nehmend und mit ihm zwischen den Ahornen dahinschreitend, »dieser König war sehr mächtig und hatte viele Städte voll von Untertanen. Er aber wohnte in einem großen Schlosse und war einsam. Wisset Ihr, was das ist: Einsamkeit?«