»Ich kann mir's denken,« sagte der Zimmermann, »das ist Langeweile. Ich hab' sie weiter nie gehabt.«
»Aber der König hat sie gehabt, Reimar! Als er jedoch ans Freien dachte, da fiel ihm das Rätsel ein. Kennt Ihr es? Was ist das, Meister: Gott sieht's nie, der König selten, der Bauer alle Tag?«
»Hoho, das wird wohl seinesgleichen sein!« entgegnete der Zimmermann.
»Seinesgleichen, gut. Also sah der König sehr selten seinesgleichen und unter den wenigen Prinzessinnen gefiel ihm keine. Er trug sich in ganz eigentümlichen Meinungen über das Weib. Er wollte eine Besondere haben. Die Richtige ist nicht gleich die Erstbeste von seinesgleichen. Er wollte eine große Auswahl haben, um seine Einzige sicher zu finden. Er dachte an denjenigen, der seinesgleichen alle Tage sieht.«
»So hätte er sich ein feines Bauernmädel aussuchen sollen,« meinte der Zimmermann.
Der Fürst blieb plötzlich stehen, kneipte den Alten am Arm und sagte: »Das hat er getan.«
Der Zimmermann zog's ins Bedenkliche und sprach: »Wenn das Bauernmädel klug ist? Ich wollt' mich doch erst besinnen, ob ich einem König die Hand geben möchte.«
»Wisset Ihr,« sagte der Fürst, »der Mensch hat zwei Hände. Auch der König. Geht eine Verbindung zur rechten Hand nicht, so geht sie vielleicht zur linken. Meinet Ihr nicht auch so?«
»Hab' es wohl einmal gehört,« meinte nun der Alte. »Zur linken Hand. Verstehe aber den Unterschied nicht.«
»Ich auch nicht, Meister. Aber wir drehen uns um die Sonne und wissen nicht warum. So drehen wir uns um Sitten, für den einen haben sie Sinn, für den anderen nicht. Tatsache ist, daß der Fürst ein Kind aus dem Volke freien will …«