Der Zimmermann schwieg. Es wurde ihm unheimlich. – Diese hohen Herren! Sie mögen sonst noch so brav sein, in dem einen Punkt denken sie leichter, als andere Leute! – An seine Hedwig dachte der Alte, da wurde ihm heiß in der Brust. Am Ende ist's doch gefehlt, daß sie im Schlosse wohnt. Sie ist ein heiteres dummes Ding und weiß nichts. Man muß sie heim zum Vater schicken. –

Der Fürst nahm sich jeden Morgen vor, an diesem Tage mit Hedwig ein entscheidendes Wort zu sprechen. Aber zum Teufel, das war schwerer, als er es sich gedacht hatte. Auf dem Wege des Scherzes hatte er's schon versucht, dabei kam er nicht weit, das Mädel wußte sehr klug zu parieren. Ob sie nicht eine Erzfürstin sein möchte? war eines Tages, als sie mit dem Wedel die Ahnenbilder abstaubte, seine Frage.

»Das wär' mir nicht zuwider,« antwortete sie, »da wollt' ich mir gleich einen schönen Erzfürsten nehmen.« Dabei versetzte sie einem graubärtigen Ahnen mit dem Wedel eins ins Gesicht. – Und der hohe Herr verschob es klüglich, mit ihr zu sprechen. Eines Morgens war sie fort. Sie hätte heim müssen ins Elternhäuschen, um die Ziegen auf die Weide zu führen. Die Ziegen!

Mit finsterer Stirn trat der Fürst in die Werkstatt. Der alte Reimar war just daran, das Himmelbett zu streichen.

»Wieder braun und wieder braun!« rief der Fürst. »Muß denn alles dunkel sein? Das Bett will ich blau haben, himmelblau. Warum fragt Ihr mich nicht, wie ich's haben will, wenn Euch der gute Geschmack fehlt? Oder traut Ihr dem meinen nicht? Mißtrauen! Ich glaube fast, man mißtraut mir. Das möchte ich erst sehen, nach wessen Willen es zu gehen hat in meinem Hause, in meinem Staate!«

Verblüfft schaute der Zimmermann drein, dann antwortete er: »Nach dem meinen nicht. Ich hab's auch nur aus Gefälligkeit getan.« Legte den Pinsel weg und packte sein Werkzeug zusammen. – An der einen Seite ist das Himmelbett braun gestrichen, an der anderen Seite lacht uns noch heute das nackte Holz an, erzählend vom beleidigten Handwerksmann, der dem Fürsten plötzlich die Arbeit aufgesagt hat. Und da soll noch einer behaupten, dieses Schreckenburg wäre kein moderner Staat!

Dem Erzfürsten tat es heimlich weh, den Meister beleidigt zu haben, aber er holte ihn nicht zurück. Ein Fürstenwort ist nicht von heut' auf morgen. Doch ging er von dieser Zeit an häufiger auf die Jagd. Er ging über die Felder des Landmannes und schoß Haselhühner, er ging an den Fluß und fischte Forellen, er ging auf den Almweiden hin, wo die Rinderhirten und Ziegenhirtinnen sind, und schoß nichts. Da war es einmal am Wasser, daß der Fischerjunge Winard, der ihm die Lagel nachtrug, seine Schafpelzmütze abzog, die der Bursche auch im Sommer trug und jetzt zwischen den Händen knüllte, und daß er gar untertänig zum Fürsten die Worte sprach: »Gnädigster Herr! Ich bitt' schön, ich hätt' halt schon lang ein Anliegen!«

»Was ist's, mein Sohn, was fehlt dir?« munterte ihn der Fürst freundlich auf. Er war ja selber kein Freund von Förmlichkeiten, und es war wahrlich nicht das erste Mal, daß er seinen Untertanen, wie er sie immer noch zu nennen pflegte, unter Gottes freiem Himmel Audienz erteilte.

»Getrau' mir's halt frei nicht zu sagen. Es ist was recht Wichtiges …« So stotterte der Bursche.