Aus dem Tagebuch einer Ehefrau.
Graz, am 7. April 18**
Ich heirate ihn. Meiner Mama zu Trotz heirate ich ihn. Cousin Karl lacht mich aus und Mama sagt, am Ende nähme mich auch der nicht, ich bekäme gar keinen. Karl sagt, ich bekäme jeden. Mama ärgert sich, daß er Professor der Philosophie ist, ja sogar – wenn er seinen Titel zeigen wollte, aber er will das nicht – Ritter von! Das macht alle ihre Prophezeiungen von meiner Taugenichtsigkeit zuschanden und ich will in der schönen Villa am Rosenberge die Hausfrau sein.
Er ist genau zweimal so alt als Karl, ich habe ihn auch zweimal so lieb. Lieben muß eine brave Frau ihren Mann, das weiß ich schon, und ich will eine brave Frau werden, gerade der Stiefmutter zu Trotz, weil sie immer sagt, sie beweine den Mann, der mich nimmt.
Sie mag's tun und er soll sie belachen, das will ich.
10. April.
Heute war die Verlobung. Mama hat wirklich dabei geweint, aber vor Freuden und über mein Glück, wie sie laut sagte. Es ist auch eins. Ich weiß gar nicht wie mir ist, so als ob ich in den Lüften schwebte, und alles beweist mir Ehrerbietung, und die ganze Welt, so ist mir, wendet sich ringsum auf mich her und alle Bäume, alle Sträucher, an denen wir beim Nachhausegehen vorbeikamen, flüsterten einander zu: Sie ist Braut.
Ich werde es aber nicht lange sein. Mama behauptet, ich zähle im Traume schon die Tage, bis ich einen Mann hätte. Mein Onkel sagte mir scherzend: »Bleibe so lange Braut als möglich, heirate sobald als möglich. Der Ehestand ist am schönsten von vorne, der Brautstand von hinten.« – So etwas Unverständiges kann nur der gute Onkel sagen.
Gottlob, daß ich Braut bin!
30. April.