Zur Stunde des Morgengrauens, als der Wagen in den Burghof von Martenstein gerollt war, als Konrad in seinem wohlbekannten, trauten Zimmer saß, belehrte ihn die glutvolle Umarmung der Schloßfrau, welch eine Wendung sein Leben genommen hatte. Und nun zeigte es sich auch, daß dieser junge Mensch nichts weniger war als ein ausgebrannter Vulkan.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Frau Johanna von Martenstein in ihre Gemächer wankte, dort in die Kissen sank und weinte. – Also mußte es geschehen! Seit Jahren hatte es in ihr gerufen: Laß ihn nicht von dir! Und seit Jahren hatte sie die Frömmigkeit gemahnt: Weihe ihn dem Herrn! Sie hatte sich beherrscht, hatte ihn hingegeben. Und nun, als er dem Herrn geweiht war, raubte sie ihn aus seinem Tempel. Was einst ein Vergehen gewesen wäre, das hatte sie reifen lassen zur Sünde. – Was soll jetzt werden? Wird dieser Frevel Gottes Gnade finden? Vielleicht. Nie aber die der Kirche, nie die der Gesellschaft.

Zur späten Stunde desselben Tages trat Frau Johanna von Martenstein vor den jungen Mann und sagte: »Konrad, wir haben unser Geschick beschlossen und den Schlüssel ins Meer geworfen. – Vor einiger Zeit hat jemand angefragt, ob Martenstein verkäuflich sei. Wohl, ich verkaufe alles, hier ist nicht mehr unseres Bleibens. Du solltest nach dem Osten, nun gehe mit mir nach dem Westen. In einer vorurteilsloseren Welt wollen wir unser Haus gründen. Ist es dir also recht?«

»Wie kannst du fragen?« versetzte Konrad.

»Weil du nun der Herr bist,« antwortete sie.

Er sagte nichts mehr, um so mehr sprach sein erwachter Blick. Ein ernster Stolz, eine frisch auflodernde Daseinslust war in dem Wesen des jungen Mannes, dem die Frau in der Vollreife des Lebens sich gern unterwarf für alle ihre Zukunft.

Wenige Wochen später befand das Paar sich auf dem großen Ozeandampfer »Poseidon«.