Wenn nur schon morgen wäre!
16. Juli.
Wir sind von der Hochzeitsreise zurückgekehrt. Es waren herrliche Tage. Ich habe mich während derselben in meinen Mann verliebt. Das ist ein goldener Mann und kann scherzen wie ein zwanzigjähriger Student.
»Ei geh', Ludwig!« verwies ich ihn einmal neckend, »ein Professor der Philosophie und so übermütig!«
Was ich mir unter Philosophie denn eigentlich vorstellte, war seine Frage, wenn nicht die Lehre vom heiteren Genuß der lieben Welt?
Ich könnte damit einverstanden sein – aber für mein Unglück gibt es keine Philosophie.
1. August.
Keine Fürstin kann's so haben als ich. Draußen die paradiesische Landschaft mit der schönen Stadt im Tale. Im Hause die frohe Umgebung, in meinem Gemach der stille Frieden – in mir die Pein.
Wie Wochen sind mir die Stunden, da Ludwig nicht bei mir ist, und wie zittere ich, wenn er bei mir ist! Er ist jetzt in den Ferien Bauer, Gärtner und Jäger und immer munter, immer gut und liebevoll. Gar nie tritt er ins Zimmer, ohne mir eine Blume, eine Knospe mitzubringen, er ziert damit mein Haar, meinen Busen, tritt dann zwei Schritte zurück und schaut fröhlich her, wie es mir passe. Gestern abends, da wir beisammen im Garten standen vor einem Strauche junger Herbstrosen, nahm er mich an beiden Händen, schaute mir mit feuchtem, leuchtendem Auge ins Gesicht und sagte: »Juliana, ich danke dir! Ich danke dir, daß du mein bist!«