Er ahnt nichts. Wir haben in der Nacht die zwölfte Stunde wachend erwartet.
»Ich segne dich, du vergangenes Jahr,« sagte er, »du hast mir mein Menschentum verzweifacht. Und ich segne dich, du kommendes Jahr, du wirst es verdreifachen.«
Er ist wieder heiter und voll Zuversicht.
5. Januar.
Ich wüßte keine andere Pein, die so höllisch sein könnte, als die meinige ist. Den Menschen, den man über alles liebt, dem man alles verdankt, ohne den man nicht mehr leben könnte, mit jedem Tage neuerdings täuschen und betrügen zu müssen.
Ihm gestehen? Nein, nein, eher soll er mich im Sarge sehen.
O unseliges Kind! Wie ich dich hasse, jetzt schon. Das einzige, was die Mutterliebe für dich tun kann, daß sie betet, du mögest das Tageslicht nimmer erblicken. Erscheinst du mir tot, ach, wie werde ich dich lieben und dankbar küssen und jubelnd begraben! O, Mutter Maria, ich rufe dich an! Mein Herz ist zum Zerspringen so schwer. Wenn ich dieses Büchlein nicht hätte! Alles in mich könnte ich nicht verschließen.
13. Januar.
Der Gedanke verläßt mich nicht, o Gott! Es wäre ja zu unser aller Besten. Mein Fehltritt gebüßt, kein fremdes Wesen zwischen uns. In der Ehe Harmonie und Frieden nach Gottes Willen. Wie kann etwas, das so zum Guten führt, ein Verbrechen sein?
Wenn ich nur mit ihm darüber sprechen könnte, wie über ein Fremdes, so daß ich seine Meinung wüßte für solchen Fall. Einmal hat er gesagt: Den Gott am meisten liebet, den nimmt er als Kind zu sich.