Wenn er vom Kollegium nach Hause kommt, setzt er sich an's Bettlein und schaut es an. Ich habe immer gehört, es spreche das Blut, das muß doch nicht so sein. Er liebt es.

Wenn ich jetzt denke an meine Gedanken! Solches nur denken zu können!

Das Kind ist so arm, daß ich weinen muß, sooft ich es anblicke. Ich soll ruhen und schlafen, ich kann nicht, ich denke an das Kind immer und immer. Liebe ich es? Das wäre Untreue gegen den, der mir in meinen schweren Stunden wieder bewiesen hat, daß er mir alles ist, daß ich ihm alles bin. Er weinte und lachte, als es geboren war.

– – Sieben Monate! Wäre das nicht möglich? Wenn der Junimond nicht ausgeblieben wäre!

Er kommt.

12. Februar.

Und so soll es nun fortgehen? Das Geheimnis soll bleiben und ich soll ihn betrügen bis ans Lebensende?

Das sei nicht. Das sei nimmer.

Gut kann es sich nicht lösen – aber es löst sich, ich weiß einen Ausweg. Da das Kind nicht hier bleiben darf und ich ohne es nicht sein kann, so muß ich mit ihm fort. Nach Wien, zur Schwester meiner Mutter. Von der Ferne werde ich ihm alles schreiben und die Form finden, die ihm am wenigsten weh tut. Ludwig ist nicht allein im Hörsaal Philosoph, er wird sich zurechtfinden. Hat er den Verlust des treuen Weibes ertragen können, so wird ihn der des falschen nicht zu Boden drücken. Habe ich sein Andenken an die erste Frau unterbrochen, so wird es nach meiner Flucht – es soll nichts von mir zurückbleiben – wieder erwachen und er wird nicht verlassen sein.

20. Februar.