»Das ist er!« schrie sie und zeigte auf mich, »o, schaue ihn an!«

Und der Blick, den das kleine Mädchen auf mich geworfen, ist mir tief gegangen.

Ich habe es dann nicht mehr gesehen. Ich trug noch mein Weniges zu den Schutz- und Rettungsarbeiten bei, bis am dritten Tage das Wasser zu fallen begann, und wir alle erschöpft zur Rast sanken. –

Später habe ich nach Tagen mühevollen Wanderns in Kärnten den Punkt erreicht, wo das Eisenbahngelaß die versprengten und verschlagenen Reisenden und Touristen wieder in Empfang nehmen konnte.

Und als ich glücklich daheim in meinem Hügellande saß, da machte ich die Wahrnehmung, daß ich nicht mehr krank war. Nicht mehr krank und nicht mehr schwermütig, sondern so jung und munter, als ich's einst gewesen.

Jetzt prüfte ich mich, was denn die furchtbare Leere, die Darwin in mein Gemüt gerissen, wieder ausgefüllt haben möchte. Ich fand's nicht, so sehr ich nachdachte. Vielleicht daß das große Unglück, welches ich miterlebte, mich wieder ins Gleichgewicht gebracht, wie es ja bisweilen geschehen soll, daß Pessimisten und Verzweifler gerade durch eine schwere Gefahr und Not wieder zur Achtung des Lebens bekehrt werden. Aber wenn ich mitunter so vor mich hinträumte, da sah ich in der Dämmerung meines Herzens, wo einst das »ewige Licht« wie vor dem Altare gebrannt hatte, zwei Sternlein schimmern – und das waren die Augen des geretteten Kindes.


Ehre.