»O nein, Herr Richter,« sagte Seelader, »krank bin ich nicht. Ich bin ja ruhig, sehen Sie mich nur an, es ist die Wahrheit, was ich sage.«
»So kommen Sie,« sprach der Kreisrichter freundlich und suchte den jungen Mann am Arm zu nehmen. »Ich werde Sie in Ihre Wohnung begleiten.«
»Sie sind immer gut gewesen gegen mich und sind es auch jetzt,« sagte Seelader. »Aber es ist anders geworden. Ich darf nichts mehr annehmen. Ich werde diese Nacht noch in meinem Zimmer zubringen, wenn Sie mich nicht in den Arrest tun wollen, morgen jedoch zum Landesgericht gehen. Der Verantwortung wegen sollten Sie mich aber sogleich da behalten. Es wäre besser, Herr Kreisrichter!«
Unter warmem Zureden brachte dieser den jungen, aufgeregten Menschen in sein Dachzimmerchen, empfahl ihn angelegentlich der Mietfrau und schickte den Arzt.
Dann eilte er nach Hause.
»Denkt euch, Kinder!« sagte der Kreisrichter bei dem Abendessen zu seiner Familie, »mein Amtsschreiber, der Seelader, ist erkrankt.«
Die älteste Tochter, Fräulein Ludmilla, horchte auf.
»Und das schwer, unheimlich erkrankt,« fuhr der Richter fort. »Ein Gehirnleiden. Ich muß nur erst zu Doktor Grohbach schicken, was er an ihm gefunden hat. Kommt der Arme heute abends – eben erst vorhin – zu mir und bittet mich in höchst aufgeregter Weise, ich solle ihn festnehmen lassen, er habe seinen Freund Hallsteiner erschossen.«
Fräulein Ludmilla legte Messer und Gabel weg.
Die Frau Richterin sagte: »Du scherzest doch, Mann!«