Wie geht's ihr? Singt sie noch immer die lustigen Lieder? Was werden die Engelein horchen und lachen! Was war das ein Spaß, wenn sie hat erzählt und gesungen! Und ernsthaft blieb sie dabei, denn taub war sie völlig und hat — wie ich meine — ihr fröhliches Singen und Sagen selbst nicht vernommen.
Und daß ich noch frage: Habt ihr ein Krankes im Himmel?
Wenn sie nicht Kranke kann warten, die Mutter, wachen die Nächte und sorgen und sich von dem Munde die Bissen abkargen, so ist sie nicht glücklich.
Sie wird es schon sein.
Denn sag ihr, sie hätte auf Erden jetzt Enkelein süß; dieselben, die heute, o Christkind, dein strahlendes Bäumchen umjauchzen. Und sag es der Mutter: wir lassen sie grüßen!
Dann wirst du, mein himmlischer Knabe, auch einem Frauenbild noch sein begegnet, jung wie der Mai, hold wie ein Engel; wirst es kaum glauben, daß sie auf Erden geboren.
Im Reigen der Reinsten und Seligsten, der treuen, opferfreudigen Seelen ist sie zu finden.
Du lächelst, mein Christkind, sahest sie schweben im weißen, myrtendurchwirkten Kleide.
Ein Antlitz, so zart, wie Kirschbaumblüh' — sie ist's! — und Augen, so sanft und seelentief — es muß sich darin ja Gatte und Kind noch spiegeln?
So bist ihr begegnet im himmlischen Land, wie einsam vielleicht sie gewandelt in stillen Hainen, und wartend.