[Das Erdbeben in Steiermark]
in der Nacht zum 1. Mai 1885.
Der sanfte Mai! So herb an unsere Mauern
Hat er noch nie gepocht, als diese Nacht.
Aus tiefem Winterschlafe jäh erwacht,
Erbebt die Erde in Empfängnisschauern?
Wir fuhren auf in mitternächtigem Schrecken,
An mondbestrahltem Fenster stand der Mai
Und lächelte herein: Ich war so frei,
Ein wenig eure Herzen aufzuwecken,
Daß hören sie, was schallt in allen Lüften,
Daß sehen sie, was ich mit Blumen schrieb:
Wie kurz die Lebenszeit! O habt euch lieb,
Die Toten pochen laut in ihren Grüften.
[An den Lehrer.]
(Zum Lehrertag in Graz 1888.)
Als Sparta einst ein großes Fest beging,
Da kam ein Bote aus Athen gezogen,
Man hieß ihn treten in der Krieger Ring
Und fragte grüßend ihn mit Pfeil und Bogen:
»Was ist dein Zeichen, Freund, wir wollen's sehn!«
»Gesittung, Friede!« sprach der von Athen.