Und so wie damals der Athener trat,
Der edle Geist, ins Land der rohen Sitten,
So bist auch du, mein Freund, nun in den Rat
Der rauhen, kampfeslustigen Zeit geschritten.
Es kocht der Haß der Völker und Partein
Und lädt zum blutigen Mahl der Rache ein.
Doch du erziehst mit Mut ein neu Geschlecht,
Und daß aus Wissen sein Gewissen tage,
Zu messen mit Gewissen, Pflicht und Recht,
Gibst du ihm in die Hand die heilige Wage.
Gesittung, Friede seh' ich neu erstehn.
O sei willkommen, Bürger von Athen!
[Ahasver an seinen verklärten Dichter.]
(Zum Tode Robert Hammerlings 1889.)
Bist es du, der mich entsühnet als den Brudermörder Kain,
Welcher, weil des Todes Vater, nimmer dessen Kind kann sein?
Weh, das war ein banges Wandern durch die wilde, finstre Zeit,
Wähnend, hastend, niemals rastend, um den Ring der Ewigkeit.
Seit jedoch der göttergleichen Schönheit leuchtend Gloriol
Aufgestellt zum Straßenzeiger, wo ich rasten darf und soll,
Seitdem will ich leben, leben, maienfroh zur Lust erwacht.
Liebe hat die Welt erlöset, Schönheit selig sie gemacht.
Du, mein Wanderbruder, standest einsam auf des Lebens Firn,
Als der Schönheit Hochpropheten einer, mit der Jovisstirn;
Nun sind beide wir unsterblich, wandern durch das bunte Nichts,
Ich im Schattenreich der Erde, du im Äther ew'gen Lichts.
[Festgruß]
zur zwanzigjährigen Gründungsfeier des Lesevereines in Krieglach am 23. Juli 1893.