Es pflegen die Menschen im irdischen Tal,
Die Streitenden, Hoffenden, Edlen zumal
Sich leuchtende Tempel zu bauen,
Auf daß im alltäglichen Drang ein Asyl
Uns winke und weise das höhere Ziel
Zum inneren Leben und Schauen.

Denn nicht in des Körpers gebrechlichen Schrein
Sind uns hinterlegt die Schätze allein,
Und auch nicht in eisernen Truhen;
Die größten, beständigsten Güter der Welt,
Sie sind wohl auf Geist und Gemüt gestellt,
Wo selig die Götter ruhen.

Zu stärken die Kräfte, die schaffenden,
Zu wecken die Götter, die schlafenden,
Das war unser heiliges Streben,
Als einstens, vor zweien Dezennien,
Beseelt und geleitet von Genien,
Dies Bündnis wir riefen ins Leben.

Wir gründeten mutig den frohen Verein
Und luden die Geister des Erdkreises ein
Ins bescheidene Dorf an der Fresen.
In Büchern und Blättern sie kamen heran,
Und mancher verdienst- und ruhmreiche Mann
Ist wohl unser Gast gewesen.

Wir hielten zusammen in treuer Pflicht,
Wir zankten nicht viel und wankten auch nicht
In guten und schlimmen Jahren.
Und hier in diesem gastlichen Haus
Hat unser Verein jahrein und jahraus
All Schutz und Schirm erfahren.

Wie mancher Gesang der Weihestund',
Wie manches Lustjauchzen der Tafelrund'
Hat hier gebraust und geklungen.
Wie mancher Funke und Bildungskeim
Ist siegreich aus diesem Geistesheim
Ins weite Tal gedrungen.

So wird man dem immer noch frischen Verein
Das Fest der Erinnerung gerne verzeihn,
Der treuen Verharrung zum Lohne.
Die Einigkeit war unser Grund und Fach,
Die Einigkeit war unser Turm und Dach,
Die Einigkeit sei unsre Krone.

[Wiens Genius.]

Am Grabe Anzengrubers.