(Zur Enthüllungsfeier seines Denkmals 1895.)

Ich singe hell an seiner Gruft
Und spiele froh die Leier;
Am Grabe des Unsterblichen
Gibt's keine Todenfeier.
Ihr in der Ferne seht des Meisters
Herrliches Vollbringen;
Ich weiß von seinem Menschentum
Ein rührend Lied zu singen.
Sein Haupt ist schön, auch wenn ich es
Des Lorbeerzweigs entblöße,
Wohl, Dichterkönnen preis' ich hoch,
Noch höher Menschengröße.
Wir Freunde sein, wir denken still
Zu dieser Stund' aufs neue
An seines Wesens schlichte Art,
An seine Mannestreue.
Die Wahrheit, die im Worte er
Gefeiert und gespiegelt,
Im Leben durch Wahrhaftigkeit
Hat er sie, traun, besiegelt.
Sein Leben war ein harter Kampf,
Sein plötzliches Erliegen
Erst hat die Welt ihm aufgeschreckt;
Sein Fallen war sein Siegen.
Sein Erdentag war wolkentrüb,
Das lichte Ziel zu ferne,
Nun leuchten, seit die Sonne sank,
Die Werke hell wie Sterne,
Sie leuchten über die weite Welt,
Doch jetzt will ich erinnern:
Sein Wiegenhaus, sein Schaffensheim,
Sein Grab gehört den Wienern.
An solchen Stätten blicket auf
Sein Volk in Stolz und Schauern;
Ein Jauchzen hat es, daß er kam,
Und daß er ging, ein Trauern. —
O späte Liebe, die wir anders
Nimmer stillen können,
Als daß wir dankend, sühnend
Seine Lebensstätten krönen.
Wir graben ein in Marmelstein
Den Namen, den wir lieben.
Er selbst hat sich mit Loderbrand
Dem Volk ins Herz geschrieben.

[Heimgartens silberne Hochzeit.]

1900.

Seit sich der Gärtner müht
Und dieser Garten blüht,
Nie Gold und Silber das Leitmotiv war.
Doch als die Zeit verstrich,
Sachte das Haupthaar blich,
Nahet dem Werke das silberne Jahr.

Silberne Hochzeit hält
Mit seiner Lesewelt
Heimgarten jetzt, zum Jahrhundertbeginn.
Altern nicht wehe tut;
War nur die Ehe gut,
Wird selbst dem Silberhaar goldner Gewinn.

Seit einst im Steirerland
Schlicht dieses Blatt entstand,
Liegen, wie immer, die Geister in Streit.
Und dieser Garten hier
War teils ein Kampfrevier,
Teils ein Idyll auch in stürmischer Zeit.

Oft fiel das Samenkorn
Freilich auf Sand und Dorn,
Oft hat gesäter Wind Sturm auch gebracht.
Ist es auf Bergeshöhn
Nicht der befreite Föhn,
Der aus dem Eise den Frühling entfacht?

Doch nicht der Lenz allein
Soll ewig Herrscher sein;
Fruchtbarer Herbst, wie erwart' ich dich gern!
Was wir im Lenz gesät,
Ahnend schon aufersteht:
Freude den Menschen und Ehre dem Herrn!