[Alpenrose — Edelweiß.]

Edelweiß und Alpenrose,
Sinnbild ihr der Menschenlose,
Sinnbild unsres höchsten Glücks.
Blutige Rose! Liebe, Leben,
Nimmermüdes Lustanstreben,
Flammenleuchte des Geschicks.

Doch wie bald ist es geschehen,
Daß die Rose muß vergehen,
Bald sind Erdenfreuden fern.
Dann empor zu höchsten Zinken,
Dort wird noch dem Wandrer winken
Der Entsagung blasser Stern.

Ach, an seinen heißen Gluten
Muß zu früh das Herz verbluten,
Und zurück, als letzter Preis,
Bleibt ein wunschlos kühles Träumen
In dem Haupt mit Silbersäumen
— Süßes, seliges Edelweiß!

[Meine Lust ist Leben.]

Gute Nacht, ihr Freunde,
Ach, wie lebt' ich gern!
Daß die Welt so schön ist,
Dankt' ich Gott dem Herrn.
Daß die Welt so schön ist,
Tut mir bitter weh,
Wenn ich schlafen geh!

Ach, wie möcht' ich einmal
Noch von Bergeshöhn
Meine süße Heimat
Sonnbeleuchtet sehn!
Und den Herrn umarmen
In des Himmels Näh',
Eh' ich schlafen geh.

Wie man abends Kinder
Ernst zu Bette ruft,
Führt der Herr mich schweigend
In die dunkle Gruft.
Meine Lust ist leben,
Doch sein Will' gescheh,
Daß ich schlafen geh!