[Waldabenteuer.]

Ich geh' durchs Tal am Waldessaum,
Tief unten rauscht der Fluß,
Oh, wie ist doch das Wandern, traun,
Im Wald ein Hochgenuß!
Dort seh' ich stehn ein Mädel fein,
Ich wink' ihm meinen Gruß
Und ruf' es an: »Feins Liebchen mein,
Komm, gib mir einen Kuß!
Du hast ein braunes Röckel an,
Es deckt kaum deinen Fuß,
Das zarte, runde Wädchen kaum,
Geh, gib mir einen Kuß.
Du hast ein blaues Augenpaar
Und Haare wie von Ruß,
Dein rosenroter Mund — ich merk's —
Hat Durst nach einem Kuß.
Nur scheint die Sonne viel zu heiß,
Mir fällt was ein, ich tu's,
Ich führ' dich ins Gehege hin
Und geb' dir — —« fällt ein Schuß.
»Juchhe!« schreit jetzt das Mädchen auf,
»Das ist Hieronymus!«
Ihr Liebster war's, der Jägersmann,
Und damit Schluß.

[Der Verlassenen Fluch.]

Vor des Ewigen Angesichte
Klag' ich ihn, o Himmel, richte!
Ach, wie hab' ich ihn geliebt,
Während er den Tod mir gibt!
Möge ihm in dunkeln Tagen
Auch die grause Stunde schlagen!
Möge er in Qual sich winden,
Und kein Herz, kein treues, finden!
Mög' der Mensch zum Teufel werden,
Dem er hoffend sich auf Erden
Voll Vertraun zu eigen gibt!
— Ach, wie hab' ich ihn geliebt!
Ein Verworfner mög' er lungern
Auf der Heide und verhungern.
Welche Lust mir, wenn er schmachtet,
Glückverlassen, notumnachtet!
Und ich dürfte ihm begegnen,
Wie wollt' ich die Stunde segnen!
Ihn an meinem Herzen haben,
Ihn mit meinem Blute laben!
— Wärst du meiner Qual versunken,
Hättest mein Leid du getrunken,
Wüßtest du, was Hölle ist.
— Wollte dich so lange küssen,
Bis du wieder selig bist.

[Amor, dieser Wicht.]

Ich mach' in meinem Leben kein Gedicht mehr an ein Mädchen,
Das ich nicht darf lieben.
Es ist zu gefährlich, um das Licht zu schwärmen,
Das bestimmt ist, andere zu wärmen.
Wer hatt' mich auch dazu getrieben? —
Wo Auserwählter war mein liebster Freund,
Und sie des liebsten Freundes Auserwählte.
Und ich? Ich war nebstbei so da, und wie es scheint
Ein wenig lecker auch. Und sieh, da stellte
Der Knirps von einem Amor mir die Falle.
Dem Freund zulieb und seiner Maid zu Ehre
Gedacht ich ein Gedichtchen ihr zu weihn.
Aus Eigennutz war's nicht, denn ich begehre,
So dachte ich, dafür das bißchen Heiligenschein
Des Ruhmes nur. War noch erklecklich eitel
Und meint', mit einem Vers müßt' ich beglücken
Ein Mädel von der Zehe bis zum Scheitel,
Und mindestens dem Erdball es entrücken.
Gedacht, getan, ich schrieb ihr ein Gedicht
In leichten Jamben. Für eines andern Liebe
Sind Jamben gut genug. Schweres tauget nicht.
Was anders, wenn ich eine Ode schriebe
Im tiefen Seufzertakte eines Romeo!
Dann allerdings schwerschreitende Trochäen.
Doch, was wollt' ich nur sagen? — Ei ja so!
Ich schrieb der Liebsten meines Freunds,
Um mich verbindlich bei ihr einzustellen.
Sie war zu herzig, traun, sie war's wohl wert,
Der holden Muse warm sie zu empfehlen.
Begann zu dichten, wie's ein Herz begehrt,
Beschrieb die zarten Reize, sagte ihr auf Ehre,
Wie ich an ihrem Glücke Anteil nähme,
Und daß als Freund ich gar imstande wäre,
Dergleichen selber — wenn die Stunde käme —
Zu gönnen mir. Doch müßte auch mein Püppchen
So lieblich sein wie sie. Es stünde immer
Mein Sinn nach solchen Wänglein, solchen Grübchen
Und solchen Äuglein auch, wie man sonst nimmer
Sie gesehn auf dieser Welt, als — im Vertrauen
Nur sei's gesagt — an ihr, der Treuen
Meines lieben, einzigen Freundes, sind zu schauen.
Unmöglich, sang ich, wäre zu bereuen
Eine Wahl, wie diese. Ließ es ihr auch merken,
Daß sie, nur sie allein, die Schönste sei der Schönen.
Und es gelang mir, solches zu bestärken,
So gründlich, daß — bevor ich es konnt' wähnen —
Diese kunstvoll hübsch gedrehten Liebesphrasen
Ich selber treulich glaubte. Und bevor
Das Liedchen fertig noch, begann ich schon zu rasen,
Aus purer Leidenschaft, die bis ans Ohr
Mir tückisch heiß tat steigen — —
Was dann geschah! — Ach, laßt mich schweigen. —

Und hast du einen Freund, das lehret die Moral,
So schicke seinem Liebchen nie ein Liedel,
Auch wenn er's selbst erlaubt, wie's hier der Fall,
Sonst gibt es einen Tanz nach seiner Fiedel.
Und hast du weidlich Pfeile zu verschießen,
Ich gratulier' dazu, doch mußt du wissen,
Auf welche Scheibe du mit Recht darfst zielen,
Denn Amor, dieser Wicht, er läßt mit sich nicht spielen.