Jene Süße, von den Musen
Ahnend mir so lang verheißen.
Nächtig, wenn die Sterne gleißen,
Möcht' ich ruhn an ihrem Busen.
Möcht' ins scheue Aug' ihr sehen,
Ihr ins tiefe Herz mich graben,
Möcht' in heißer Glut mich laben
Und in Liebeslust vergehen.
Soll ich warten, bis die Tage
Wachsen und die Nächte schwinden,
Die so lockend, Lieb' zu finden?
Rosenblatt, flieg hin und frage.
Soll ich warten auf die Tage,
Wo zur Form wird, was heut Kuß ist,
Und zur Pflicht, was heut Genuß ist?
Rosenblatt, flieg hin und frage.
Denk an deine Maientage,
Rosenblatt, du kennst das Leben;
Kennst der Liebe Pein und Beben.
Nun, so flieg zu ihr und frage.
[Was in deiner Seele spinnt ...?]
Wie nah, mein schönes, süßes Kind,
Ist mir dein holdes Angesicht,
Ich trinke deinen Atemhauch
Und deines Auges lächelnd Licht;
Doch was in deiner Stirne sinnt,
Und was in deiner Seele spinnt,
Ich weiß es nicht.
Ich weiß den von Jahrtausenden
Emporgebauten Erdengrund,
Ich kenne das mit Sternenwelten
Reich geschmückte Himmelsrund;
Doch was in deiner Stirne sinnt,
Und was in deiner Seele spinnt,
Ist mir nicht kund.