Entzückt von deiner Zunge Klang,
Und doch in tiefster Einsamkeit,
Mein Lippenpaar an deins gepreßt:
Und dennoch mir unendlich weit
Ist, was in deiner Stirne sinnt,
Und was in deiner Seele spinnt
Für alle Zeit.

Denn das, worauf ich wollte baun,
Hat mich getäuscht, die Träne dein. —
Es müßte denn dein Herzblut, traun,
Der opferfrohe Bote sein,
Daß Lieb' mir deine Seele spinnt
Und Treu mir deine Stirne sinnt,
Dann bin ich dein.

[Sie liebt dich von Herzen!]

Einst tat ich im Walde spazieren gehn,
Da sah ich im Wald ein Maßlieb stehn.
O Herzlieb, du bist mein Entzücken!
Doch Maßliebchen, die kann man pflücken.
Ich tat's und fragt' es inniglich:
Verrat's, mein Schätzel, liebt es mich?
Da log es mir frech ins Angesicht:
Dein feines Schätzel, das liebt dich nicht. —
Ich grub mit dem Messer ein tiefes Grab
Und warf das böse Blümlein hinab,
Und wälzte darauf einen schweren Stein,
Sollst ewig und ewig vergessen sein.

Dann tat ich sinnend weitergehn
Und sah ein Schlüsselblümlein stehn.
O Mädel, du bist mein Entzücken!
Und Blumen die kann man zerpflücken.
Ich tat's und fragte inniglich:
Verrat's, meine Traute, liebt sie mich?
Die Blume in Sterbensschmerzen:
Sie liebt dich, sie liebt dich von Herzen! —
Ich grub mit der Hand ein Beetlein auf
Und tat die zerrissene Blume darauf.

Doch als sie lag auf der Totenbahr,
Da ward sie lebendig, erhob sich gar,
Das eine Blättchen, es jauchzte aufs neu:
Sie liebt dich von Herzen, sie liebt dich treu! —
Dann wuchsen der Blume in Kranzesflor
Die Blätter all von neuem hervor,
Schneeblendend weiß, die Spitzen rot,
Wie Unschuld und Liebesmärtyrertod.
Und jegliches blinkte mir traulich zu:
Sie liebt dich von Herzen! O Glücklicher, du! —
Nun kam ein Sturm und knickte die Bäume,
Und Blitze durchzuckten die himmlischen Räume;
Die Blume wiegte ihr Haupt und rief mich:
Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich, sie liebt dich! —
Dann nahte der Winter und senkte im Schnee
Auf alle Gefilde ein eisiges Weh.
Doch sieh, die Blume hold und weiß,
Sie blühte hervor aus Schnee und Eis,
Und nickte mir zu in Ernsten und Scherzen:
Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich von Herzen! —

Und als von neuem der Frühling kam,
Da führte zum Wald mich ein tödlicher Gram,
Ein tödlicher Gram, eine höllische Pein,
O selig, glückselig, gestorben zu sein! —
Auf grünendem Beete die Blume stand,
In üppiger Blüte mir zugewandt,
Und winkte und flüsterte süß und innig:
Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich unsinnig! —

Ich hob meinen Fuß und trat sie tot,
Die gleißnerisch Blume, so weiß und rot.
Und ging noch tiefer in den Wald hinein,
Und suchte das Grab mit dem schweren Stein,
Und habe geweint und habe geklagt:
Du hast es gesagt! Du hast es gesagt!