Einen einzigen ganzen Menschen,
Einen ruft der Dichter an,
Dem er all sein Denken, Dichten,
Frohes Schaffen weihen kann.
Einmal hatt' ich einen solchen,
Habe nur an ihn gedacht,
Habe nur für ihn gedichtet
Und mein Herz ihm aufgemacht.
Also sprach der Mensch zum Menschen
Traut mit leiser, warmer Stimm',
Und die hunderttausend Leser
Fanden sich in mir und ihm.
Als ich redete für einen,
Standen alle rings herum,
Red' ich allen, hab' ich keinen
Menschen — lauter Publikum.
[Welch ein Los!]
Welch ein Los! Im bunten Lebensgarten
Fröhlicher Genossen bin ich einsam.
Hab' mit ihnen Ziel, Geschick und Leiden,
Sprach' und Lied und Vaterland gemeinsam.
Streuen scherzend Rosen unsren Pfaden,
Lieben uns einander — und bin einsam.
Einsam, wenn das Blau der Fern' uns trennet
Mitten unter ihnen bin ich einsam.
Einsam, wie der Schiffbrüchig' im Meere,
Einsam, wie der Aar im Himmelskreise,
Einsam, wie der Mann, den sie begruben
Unter Nordlichtschein im öden Eise.
Brücken schuf Natur von Aug' zu Auge,
Hängend auf des Lichtes goldnen Stäben;
Schiffe auf dem Wellenmeer des Klanges
Zwischen Mund und Ohren heiter schweben.
Und des Blutes ehern ewige Bande
Flechten aneinander unsre Sinne;
Aber von der Seelen freier Zinne,
Auseinander fern sich ungemessen,
Hat Natur zu baun den Weg vergessen.
Nicht so einsam ist das Alpenröslein
An des starren Eises kalter Schwelle;
Nicht so einsam ist der Stern am Himmel,
Als in ihrem Leib die sehnende Seele.
Einsam, wenn dem Schönen sie und Reinen,
Mai im Herzen, grüne Kränze webet;
Einsam, wenn sie selige Pfade suchet
Nach dem Gottesreich, und ihnen lebet. —
Als in Tiefen mit Genossen kriechen
Ist es besser, hoch zu schweben einsam.
Größer, göttlicher gewiß — doch glücklich?
Glücklich ist der Erdsohn nur gemeinsam.
[Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm!]
Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm!
Wie bin ich so arm an Lieb und Lust!
Ich fühle den Lorbeer ums Haupt herum,
Und keine Rose an meiner Brust!