Will ich heute träge träumend unter kühlem Flieder sitzen,
Muß ich morgen voll von Sorgen unter Doppellasten schwitzen.
Schlürf' ich heute seliges Leben andachtsvoll aus goldnem Becher,
Teil' ich morgen, ach, den Jammer wilder ausgelass'ner Zecher.
Tu' ich heute einer Schönen froh mein hüpfend Herzlein leihen,
Kommt sie morgen schon, mich mahnend an die Pflichten, sie zu freien.
Klingen heute Hochzeitsglocken, schallt schon morgen Grabgebimmel,
Doch ich hoffe, meine Seele kommt vom Mund auf in den Himmel.
[Erbschaft.]
Der Winter, der starre,
Er liegt auf der Sterbe,
O lächelnder Erbe.
Wie üppig du erbst!
Den blühenden Frühling,
Den leuchtenden Sommer,
Den Kastenfüller,
Den goldenen Herbst.
[Erwartung.]
Nun wandle übers Morgensonnenfeld.
In Ehrfurcht tritt zurück von deinem Weg
Die Alltagswelt.
Auf allen Auen heilige Ruh,
Über deinem Haupte hoch
Ein Falter fliegt im Kreise,
Die Perlen auf den Halmen zittern leise,
Und Blumen neigen ihren Kelch dir zu. —
O bebe, junge Brust,
O bete, banges Herz, in ahnungsvoller Lust,
Und laß dich weihen, laß dich segnen.
— Heute wird dein Schicksal dir begegnen.