[Gedenken.]

Auf Bergeshöh' im Sonnenschein,
Wo Alpenrosen, rot und rein,
An Lust und Liebe mahnen;
Auf Bergeshöh' im Sonnenschein
Bin ich mit meinem Leid allein
Bei Rosen und Gentianen.

Die Erde, die mir das Liebste nahm,
Sie schaut mich, ach, so kindlich an
Mit ihren Blumenaugen:
»Und hab' ich dir gleich weh getan,
So denk, wie muß nach Qual und Wahn
Die kühle Erde taugen!«

[Stimmungen.]

1.

Freier Hand seit Tausenden von Jahren
Hat Natur an diesem Knochenkarren
Menschenleib voll Fleiß und Kraft gebaut.
Mit der Schöpfung Künsten wohl vertraut
Standen alle Stoffe ihr zur Wahl
Und ein Riesenarsenal.
Nimmermüde schuf sie durch Äonen,
Probte alle Formen, alle Zonen,
Brach entzwei, was etwa doch mißlungen,
Bis das Werk vollbracht, der Sieg errungen.
Und in dieser herrlichen Gestalt
Nahm die Menschenseele Aufenthalt.
Jauchzend brachte sie das Werk in Gang,
Und das heiße Herz in Wonne sprang!
— — Ach, wie balde hörte man im feinen
Blutdurchwogten Tempel — leise weinen ....

2.

Der teure Kranke
Ruht auf weichen Kissen,
Und seine Lieben
Hegen und pflegen
Die müden Glieder
In nimmer rastender,
Zarter Sorgfalt,
Und scheuchen bangend
Trübe Schatten
Emsig davon,
Und haben milde,
Schmeichelnde Worte
Und frohen Trost
Für sich und ihn.