Ich find' es doch, denn nichts ist halb gegeben.
Wenn Sehnsucht ist, ist auch der Sehnsucht Stillung,
Der demutsvollen Ahnung wird Erfüllung.
Und lebe ich, so muß auch jenes leben.
Ich find' es doch.
[Der unbegreifliche Muskel.]
In Gluten und Fiebern lag ich dahin,
Der Doktor kam jeden Tag,
Befühlte den Puls und verschrieb mir Chinin,
Behorchte des Herzens Schlag.
Er horchte durchs Röhrchen, er legte das Ohr
Zur Stelle, wo's seltsamlich schlug,
Es zitterte leis, und es wogte so heiß,
Er wurde durchaus nicht klug.
Der Muskel, er hämmert mit bräutlicher Kraft,
Und doch ist's ein Todesringen!
Wie läßt sich nur mit der Wissenschaft
Das Ding in Einklang bringen?
— Und wenn ich dich soll belehren, Freund,
Ich sag' es nicht zum Scherze,
Was dir nur als ein Muskel erscheint:
Das ist — ein Dichterherze!
[Es mahnt.]
Der Wind vom Kirschbaum Blütenblätter streut,
Der Frühling macht's dem Winter nach, es schneit,
So mahnt in Wonnetagen leis das Leid. —
Der Buchenwald in roten Feuern glüht.
Der Spätherbst tut's dem Frühling nach, er blüht,
So weht der Traum von Glück in herber Zeit.