O meine Seele, der Abend naht.
Willst du mir nicht das Scheiden verschönen
Mit herzfroher, tapferer Tat?
Willst du dich nicht mit der Welt versöhnen?
Wenn es ihr recht ist
Und du ihr nicht zu schlecht bist.
Im Grunde seid ihr doch einander würdig
Und ebenbürtig.
Gott Vater war schalkhaft, als er euch schuf,
Nun ist Irrtum und Torheit euer Beruf.
Ihr krochet hervor aus Sumpf und Schlamm,
Woher auch die Lotosblume kam,
Und ist doch der Sonne liebstes Kind.
Laßt euch nur den Spaß nicht gereuen:
Verzeihen, erneuen, sich freuen!
Dann seid ihr, wie die Götter sind.
Nehmt nur nichts schwer und auch nichts krumm;
Seid nicht zu klug und nicht zu dumm,
Und bildet euch doch ja nicht ein,
Das rechte so mit Klugheit zu erfragen.
Ist schon die Weisheit zu erjagen,
So kann's eher noch mit einer Torheit sein.
Jeder forsche, was ihm tauge,
Vor jeder Wahrheit, die dich quält,
Verschließe ruhig Ohr und Auge,
Und dichte dir die Welt
Wie sie dir gefällt.
Und träume weiter ....

[Es kommt dereinst ein dunkler Tag.]

O freue dich, mein Brüderlein,
An deines Lebens Sonnenschein,
Doch trau ihm nicht.
Es kommt dereinst ein dunkler Tag,
Noch eh in unnennbarer Klag'
Dein Auge bricht.

Die Werke dein so stolz erstehn,
Du wirst sie einst zerfallen sehn
Und sein ein Mann;
Doch schläft ein treues Herz im Schrein,
Dem du sein kurzes Erdensein
Hast weh getan:

Dann wirst du fröhlich nimmermehr,
Wirst um des Toten Wiederkehr
Vergeblich flehn.
Am Grabe werden Röslein blühn,
Dein armes Herz wird welken hin
Und still vergehn.

[Grab ein!]

Grab ein, grab ein
In unsrer Mutter reichen Schrein,
Für alle Sorge und Beschwerde
Erliegt dein Lohn in treuer Erde.
Grab ein, grab ein.

Grab einen Schuh
Mit starker Hand, so findest du
Dein Stücklein Brot aus Halmen sprießen,
Oh, mögest fröhlich es genießen!
Grab einen Schuh!