Denn einst wirst du die Träne fliehen,
Und lachend laut, trotz innrer Peinen sein,
Doch bittrer wird dein schrilles Lachen,
Als heut dein stilles Weinen sein.

[Die Erweckung.]

Die Mutter schläft in der Friedhofsruh'.
Da kommt ihr ältester Sohn auf Besuch
Und ruft mit freudiger Stimme aus:
»Liebe Mutter, komm in mein schönes Haus,
Ich habe ein holdes, ein fröhliches Weib
Und Kinder so frisch wie die Rosen im Mai,
O Mutter, Mutter, ich lade dich ein,
Komm, und hilf uns glücklich sein.«
Die Zypressen schweigen — die Mutter schläft.

Dann kommt der zweite Sohn geritten,
Mit stolzer Würde und feinen Sitten.
»O Mutter, könntest du auferstehn,
Um selbst zu sehen, was mir ist geschehn.
Der König hat mich zum Minister erwählt,
Es jubelt mir zu die halbe Welt.
Mutter, o komm, nimm teil an der Ehr',
Die deinem Sohn so reich widerfährt.«
Die Zypressen schweigen — die Mutter schläft.

Da kommt der jüngste Sohn gegangen,
Hat rote Augen, fahle Wangen.
Sein Ton ist heiser, sein Wort ist müd,
Er weiß von Glück und Ehren kein Lied.
»O Mutter, ich bin so ganz allein,
So seelenverlassen und ganz allein,
Und Hunger —«
Am Hügel rieselt der Sand — die Mutter wacht auf.

[Es kann einem wunderlich träumen!]

Nun wollt' ich schlafen.
Das Tagwerk ist recht hart gewesen.
Bin ich erschaffen
Für Bauernbrot und Bauernnot?
Das ist meine Frag' gewesen.
Da seh' ich ein Häuslein wohl schön gebaut,
Und ein Weib in Huld zum Fenster ausschaut;
Der Fenster waren eben drei,
So schauten aus auch Kindlein zwei
Und riefen: Vater! — Ich tat mich heimen.
— Es kann einem wunderlich träumen!

Dann ging ich dichten.
Und die Leute taten mir Kränze winden.
Und muß berichten:
Eine Maid sagt: Du bist mein allein,
Ich will dir Sträußlein im Lenze binden.
Ich sag': Was soll mir dein Blumengruß,
Wenn ich ein Geheimnis verschweigen muß,
Daß Fraue du zu aller Frist
Mein' herzallerliebste Freude bist!
Drauf tat sie mit Küssen nit säumen.
— Es kann einem wunderlich träumen!