Die größte Schmach, die je mir werden kann,
Vermaledeit sei sie, tut der mir an,
Der von mir sagt, ich hätte keinen Feind.
So kläglich arm, zu haben keinen Feind!
Hat je gelebt so arm ein braver Mann?
Ich hasse keine Seele. Denn mir weiht
Den Erdensohn das allgemeine Leid.
Doch, alles Schlechte, Falsche, was da baut
An diesem Leid, ich hass' es tief und laut.
Um eitel Liebe buhl' ich nicht, ist sie
Durch fremden Schwächen huldigende List
Zu wohlfeil mir auf jedem Markt zu haben.
An heißem Haß der Schlechten mich zu laben
Ist meine Lust. Es müssen alle, alle
Die Schurken, Schleicher mich mit bittrer Galle,
Die Wichte mich mit giftigem Hohn begeifern,
Die Finsterlinge meiner fluchend eifern,
Die Knechte fliehen mich, die frevlen Herren,
Die hochmutswütigen, mir Krieg erklären.
Denn was ich will: die Menschheit neu
Verjüngt zu sehn, und sich getreu.
Dem Menschen nicht, dem Laster künd' ich Krieg,
Und sollt es selbst im eigenen Busen sein:
Der ewige Herr im Himmel, der ist mein.
Mein auch der Streit — und sein der Sieg.
Wenn Gott mich fragt am Tage des Gerichts:
Wo sind sie, die dich lieben? — sag' ich nichts.
Doch zeig' ich zum Ersatz ihm, die mich hassen.
Und bitt' ihn um die Prüfung des Gewichts.
Ich hoff', er wird es gelten lassen.
[Gott und Volk gehört zusammen.]
Eurer Flüche Blitzesstrahlen
Schlendre ich zurück auf euch,
Foder' Rechenschaft von allen,
Die gefährden Gottes Reich.
Pfaffen, die sich drängen zwischen
Gott und Menschheit, sie zu trennen,
Die hier fälschen und dort fischen,
Ihnen will ich Wahrheit nennen:
Gott und Volk gehört zusammen,
Heut und alle Tage, Amen.
Und auch jene Pharisäer,
Die mit ihrem flachen Wissen
Spielen sich auf große Seher
Und den Himmel wollen schließen,
Die dem Volke frech vernichten
Seinen Gott und seine Seele —
Weltgeschichte wird sie richten
Und es zeigen grausig helle:
Gott und Volk gehört zusammen,
Heut und alle Tage, Amen.
[An die Naturalisten.]
Geister dieser Zeit, wer soll verstehen
Euch nach menschlicher Vernunft Gesetzen?
Pessimistisch haßt ihr dieses Leben,
Will jedoch die Kunst ein schönres schaffen,
Hei, wie ihr sie geifernd gleich verlästert!
Das, was aus dem Leben ihr verwünscht,
Möchtet in der Kunst ihr wiederfinden,
Nur nichts Froheres, um Gotteswillen,
Nichts, was unsre Seele könnt erfreuen,
Denn die reine Freude soll verpönt sein;
Nichts, was Lieb' und Hoffnung könnte wecken
Zu der Menschheit. Und erst Ideale!
Ideale hat nur der Philister.
Sonst ist Kunst auf lichten Höhn geschritten,
Heiter reigend um die ernstre Schwester
Religion. Sonst hat sie in Erz und Marmor
Mit des Lieds erhabnen Weiheklängen
Unsere Helden zur Unsterblichkeit geleitet,
Unseren ungezognen Leidenschaften
Maßvoll edlere Gestalt gegeben,
Und im Spiel ein Gottesreich gestiftet,
Munter Schnippchen schlagend der Materie.
Und dies lichte Reich wollt ihr vernichten?
Just den göttlichsten der Sinne ihr verlöschen?