Das Schönste, was im Innern ich empfunden,
Das ist so rein und zart, läßt sich kaum denken,
Und will ich mich im Sinnen, traun, versenken,
So ist mir das Gefühlte schnöd verschwunden.
Und was es ist, das mir so zart entsprossen?
Ich weiß es nicht und kann es nicht enthüllen;
Der Seele reinster Teil nur kann es fühlen,
Und tief in meinem Herzen liegt's verschlossen.
[Ist der Mensch nicht wie die Schwalbe?]
*
Ist der Mensch nicht wie die Schwalbe? —
Mit dem Lenze fliegt er an
Und verjubelt einen Frühling;
— Heißer Sommer quält den Mann.
Wie die Schwalbe an dem Neste,
Baut er flink an seinem Glück,
Muß um seine Reiser, Blätter
Ringen mit dem Mißgeschick. —
Leise kommt der Herbst geschlichen;
Von des Lebens reifem Baum
Reißt der Sturm die Frucht des Schaffens,
Und der Mensch erwacht vom Traum.
Sieh, am Scheitel seines Hauptes
Wird es weiß — der erste Schnee;
Matt und düster blickt das Auge,
Ach, es friert der klare See. —
Und er fühlt ein eigen Heimweh,
Fremd wird ihm die Bruderhand; —
Wie im Herbst die Schwalbe, zieht er
Heim ins ewige Frühlingsland.
[Mir graut vor dem Gemeinen.]
Ach, mir graut vor dem Gemeinen,
Das mich stets durch neue Peinen
Und durch alte Sünden schleift.
Heimweh, Heimweh nach dem Reinen,
Nach den kühlen Friedenshainen,
Wo die Seele göttlich reift.
Ach, wo soll sie göttlich reifen!
Nur im Schwalle wüster Träufen
Lernst du das Gemeine fliehn.
Nur mit Kämpfen kannst du siegen,
Und im Fallen lernst du fliegen
Zu den seligen Göttern hin.