Drei heilige Räume
Unter himmlischen Sonnen
Stehen hienieden:
Eine Wiege voll Träume,
Ein Bett voll Wonnen,
Ein Sarg voll Frieden.
[Letzter Wunsch.]
Was wäre wohl mein letzter Wunsch,
Wenn ich dereinst zur Grube fahr'?
Auf lichter, kühler Bergeshöh'
Eine traute, einsam stille Bahr'.
Auf jener Höh', wo ich als Kind
Gehört den ersten Lerchenschlag,
Gesehn den reinen Sonnenstern
An einem süßen Maientag.
Doch jenes Kreuz, das ewig klagt
Die Menschheit ihres Frevels an,
Mir pflanzt es nicht, weil ich am Pfahl,
An dem er litt, nicht rasten kann!
Mir pflanzet einen jungen Baum,
Der frisch und frei gen Himmel steigt,
Und der, wenn einst die Menschheit reif,
Zu ihr sein Haupt in Freude neigt.
Vielleicht kommt noch ein Zimmermann,
Der ihn zu einer Wiege schlägt,
Vielleicht kommt eine Mutter, die
Ihr Kindlein in die Wiege legt.
Ihr Kind, das als des Menschen Sohn
Die Welt erlöst ein zweites Mal,
Und nicht dafür in Haß und Hohn
Erhöhet wird zum Marterpfahl.
Denn nicht, daß mein Erlöser starb,
Ist meines dunkeln Grabes Licht,
Doch daß er lebt und ewig lebt,
Ist meiner Seele Zuversicht.
[Ruhendes Sein.]
Die Lust wie das Leiden,
Sie quälen die Seele;
Sie sind wie die Unrast
Auf stürmischer Welle;
Sie sind eine Botschaft
Vom nahen Vergehen.
Ein Eilen zum Ende
Ist alles Geschehen.
Nach Rast strebt der Pendel
Und jegliche Regung.
Und Sehnsucht nach Ruhe
Ist alle Bewegung.
Die Seele der Gottheit
Ist ruhendes Sein,
Ist wunschlos und streitlos,
Ist raumlos und zeitlos,
Ist Frieden allein.
[Unfaßbar.]
Nahe ist Werden und Leben und Sterben beisammen,
Früher die endlose Zeit — später die endlose Zeit,
Kurz vor den Tagen, in welchen ich fühle und denke,
War ich ein formloses Nichts, war es von Ewigkeit her.
Kurz nach den Tagen, in welchen ich walte und webe,
Bin ich ein formloses Nichts, werd' es in Ewigkeit sein.
Wie er doch sein kann, der winzige Punkt, wo ich stehe,
Wie es nur möglich, denselben zu fühlen just jetzt?
War es nicht immer der gleiche, weltenumgaukelte Schwerpunkt?
Wußt' ich's nicht ewig, fühl' ich's nicht ewig: Ich bin?