Namen. Kolonisation.Eintritt in
den Bund.
Bevölk.
Seelen.
Virginien161017761,100,000
New-York161417761,220,000
New-Jersey16141776314,000
Massachusetts16201776548,000
Newhampshire16231776274,000
Pensylvanien162717761,078,000
Delavare16271776100,000
Maine1630181910,000
Connecticut16351776316,000
Rhode-Island16351776100,000
Maryland16381776450,000
Vermont16641776300,000
Nordkarolina16691776504,000
Südkarolina17101776662,000
Georgien17321776366,000
Louisiana17341812158,000
Tennesee17501796430,000
Allabama1770182285,000
Columbia1638180056,000
Kentuky177317921,100,000
Indiana17871816130,000
Ohio17801803540,000
Illinois1790181855,000
Missouri17901820106,000
Missisippi17801817156,000
Ostflorida} 18221,000,000
Westflorida
Michigan1810182350,000
Die Länder westwärts Illinoisu. s. w. zählen auch etwa1,000,000.

Man sieht daraus, daß bei uns zu Lande die Geographien, welche erst vor einigen Jahren gedruckt sind, wo sie von den Vereinstaaten reden, durch die Riesenschritte, welche Bevölkerung und Anbau dort thun, unvollständig geworden sind.

Noch ein Vierteljahrhundert, und die Vereinstaaten sind durch ihre Lage, durch ihre Bevölkerung, durch ihren Reichthum, durch ihre vortrefflichen Einrichtungen, durch ihre weisen Gesetzgebungen eine Riesenmacht, die des gesammten Europens Trotz spotten kann, und auf unsern Welttheil mehr Einfluß haben wird, als er auf sie. Da, wo jeder Bürger für sein Vaterland das Gewehr trägt, wo beinahe eine Million Milizen in den Waffen geübt werden, wo Freiheitsgefühl, Nationalstolz und Mißachtung der alteuropäischen Einrichtungen begeistern, ist schon jetzt nichts mehr von schweren Anfechtungen aus Amerika zu fürchten, obgleich die gesammten achtundzwanzig Republiken nicht mehr, als kaum 6000 Soldaten, das heißt in Sold und Lohn stehendes Kriegsvolk, unterhalten. Daß die Amerikaner ihr Glück fühlen im Verhältniß zu den Europäern, muß uns gar nicht wundern. Denn ungerechnet die natürliche Liebe der Eingebornen zu ihrer Heimath, bringen die jährlichen Einwanderer und neuen Ansiedler wenig Lobreden auf den alten Welttheil mit, welche die Neigung für Europa erhöhen könnten; und dann erfahren sie wöchentlich aus zahllosen Zeitungen nur zu viel vom Bunterlei unserer Schick- und Drangsale.

10.
Die Stadt der Freunde.
(24. bis 30. Juli.)

Philadelphia trägt wohl seinen Namen mit Recht. Der Großtheil ihrer Bewohner besteht aus Personen, die zur Kirchpartei, oder wie sie es nennen, zur Gesellschaft der Freunde gehören, die man gemeinlich mit dem Spottnamen der Quakers und Zitterer bezeichnet.

Es war mir gleich anfangs, da ich durch die Stadt ging, auffallend, welche anständige, ich möchte sagen sonntägliche Stille in den volkreichen Gassen Philadelphia's herrschte, einer Stadt von ohngefähr 120,000 Seelen. Und doch durchkreuzte sich das Volk in lebendigem Verkehr nach allen Richtungen. Der Markt war voll Getümmels, von einem Ende zum andern mit Gartenfrüchten und Gemüsen jeder Art, wohlgeordnet besetzt; seitwärts mit ganzen Reihen von Bauerwagen und wohlgenährten Rossen; die Wagen waren mit Fleischwaaren, gerupftem und in saubere Leinwand eingeschlagenem Geflügel u. s. w. angefüllt, von Käufern und Käuferinnen umringt.

Jene Stille, die mich überraschte, hatte die nämliche Wirkung auf einen englischen Schriftsteller hervorgebracht, der sich darüber so ausdrückt: »Was mir, nicht nur zu Philadelphia, sondern in allen Städten der Vereinstaaten, ungewohnt entgegentrat, war das anständige, besonnene Wesen der Bürger. Da ist in den Straßen kein Lärmens, Schreiens, Zankens; und doch bezeichnet dieser Mangel des Lärmens so wenig einen Mangel an Lebhaftigkeit, als das Nichtdasein von Grausamkeit die fehlende Tapferkeit andeutet. Wer daran zweifelt, besuche den nordamerikanischen Bundesstaat.«

Am Sonntage ward die Luft von allen Seiten durch das Geläut der Glocken bewegt. Ich ging in die erste Kirche, die ich antraf; sie war sehr groß und doch schon von Personen beiderlei Geschlechts angefüllt. Ich bemerkte an den aufrecht stehenden Rockkragen der Männer, an den feinen aber blumen- und federlosen Strohhüten der Frauenzimmer, an der mangelnden Kanzel, die ich vergebens mit den Augen suchte, daß ich in einem Tempel der Gesellschaft der Freunde war.

Die Kirchenglocken schwiegen. Im weiten Raum des der Andacht geweihten Gebäudes entstand eine tiefe, anhaltende Stille. Alles schien in fromme Betrachtung untergegangen. Ich wartete geduldig anderthalb Stunden, und es änderte sich nichts. Ich war schon im Begriff fortzugehen, als eine gute alte Frau vom Sitz aufstand, und mit zitternder doch vernehmlicher Stimme das Schweigen brach, indem sie ein Gebet sprach. Dies mochte wohl eine Viertelstunde dauern; dann bedeckte sie sich das Gesicht mit beiden Händen und saß wieder nieder. Ich verweilte noch ein halbes Stündchen. Als niemand aber das Wort nahm, ging ich wieder und besuchte eine andere Kirche.

Es ist in der Art und Weise dieser Gesellschaft der Freunde viel Eigenes, Hartes, Schwärmerisches und Ueberspanntes. Wer könnte das ganz läugnen? Aber doch muß ich bekennen, keine von allen christlichen Kirchenpartheien hat dabei so viel Milde, Menschenfreundlichkeit, Selbstverläugnung, Selbstaufopferung und Wahrhaftigkeit, als eben diese. Sie leben freundlich unter allen Menschen, ohne deren wilde Thorheiten und Leidenschaften anzunehmen. Sie wenden die Vorschriften des Christenthums streng, ja buchstäblich auf das wirkliche Leben an, und werden dadurch auffallend, sonderlingsartig in den Augen derer, die eine andere Erziehung genossen haben, sogar lächerlich. Sie zanken nicht, wie andere Christen, um Formen und Dogmen; ihr Glaube liegt mehr sprechend in ihren Handlungsweisen. Das stammt schon von erster Erziehung her, die ihnen nachher das Gewohnte zum lieben Bedürfniß macht. Diese Erziehung weicht freilich von der gewöhnlichen ab; ist vielleicht in Manchem zu ängstlich. Aber vielleicht ist eben diese Aengstlichkeit das beste Verwahrungsmittel gegen die spätere Leichtigkeit, mit dem, was unehrbar und lasterhaft ist, in Unterhandlung zu treten. Tanz, Musik, Jagd, Hazardspiel und Theater sind untersagt. Die erzieherische Gesetzgebung William Penns scheint mir unendlich edler, in sich selbst weiser und in ihren Wirkungen nicht minder bewundernswürdig, als die vielbewunderte des Lykurg. Wer dies bezweifelt oder nicht begreift, müßte Pensylvanien, müßte die entlegensten Einsamkeiten Amerika's besuchen. Hier ist nicht Heuchelei, auf den Schein gemachte Frömmigkeit, verlarvter Stolz, wie bei manchen ähnlichen Sekten in Europa, sondern Ueberzeugung, die ins Leben durch die That tritt, und durch Erziehung und Gewohnheit Bedürfniß wird.