[5] Kleiner Bursch.

Kapitel XXIV

Die Asmussens waren durch Trinas lange Krankheit zurückgekommen. Anstatt wie sonst Geld auf die Sparkasse tragen zu können, hatten sie Geld aufnehmen müssen. Das machte Lars mißmutig. Und das ewige Gejammer der alten Lassen darüber machte es nur noch ärger. Seit der Stunde im Walde war es wie eine wunde Stelle irgendwo in seiner Seele, und das Reden und das laute Lachen trafen darauf wie Peitschenhiebe. Da ging er ins Wirtshaus, und es war ihm selbst kaum bewußt, daß es der Gedanke aus dem Walde war, der ihn hintrieb.

Er setzte sich gleich zu Christen Matthies und wollte mit ihm reden über die neue Vereinigung, wie sie die Fischer in den andern Buchten hatten. Aber Christen Matthies war dänisch gesonnen, darum fuhr ihn Lars bald heftig und hochfahrend an. Da sah Christen mit den schwermütigen alten Augen fragend zu ihm auf und gab bald keine Antwort mehr.

„Ja, wenn wir die Fische mit einem eigenen Dampfer zur Stadt bringen sollen, wie die andern, woher sollen wir das Geld dann für einen Dampfer nehmen?“ fragte da Trollsen dazwischen, „Christen Matthies hat recht, wenn wir uns zu den Dänen halten, kriegen wir Geld zu viel billigeren Prozenten.“

Aber in Lars war die wunde Unrast, darum konnte er ihnen nicht in Ruhe klar machen, wie er es meinte, sondern geriet in Zorn. Da schüttelten sie die Köpfe über ihn und hörten nicht mehr hin. Und bald stand er auf und ging hinaus. Er trat aus dem Dunst in den stillen, klaren Herbstabend hinaus. Es hatte sich abgeregnet, und eine grünleuchtende Klarheit lag über der bunten Herbstwelt.

Es lag eine Dumpfheit über Lars und eine Müdigkeit. — Das war also auch nichts. Denen würde er ebenso wenig helfen können, wie sich selbst. Er sehnte sich nach einem stillen Winkel, darum ging er zu Mutter Stina in die alte Heimhütte.

Zwischen den hohen, bunten Malven lag das kleine, grünbemooste Strohdachhaus wie im tiefen Schlaf, als hätte es über seinem leisen, traulichen Klingen sich und die Welt vergessen und wäre nun auch vergessen worden zwischen seiner bunt-blühenden Pracht.

Mutter Stina saß allein mit ihrem Strickzeug, und über dem alten Gesicht lag es fast wie Kirchhofsruhe. — Sie fragte auch nichts. Sie ließ ihn still da sitzen und vor sich hin sehn. Dann ging sie in die Küche und holte ihm zu essen. Und als es dunkel wurde, ging er wieder nach Hause, und sie wagten ihn dort alle nicht zu fragen, wo er gewesen war.