Es war einen Augenblick still. Ein Apfel fiel mit dumpfem Klang ins Gras. Auf dem schmalen Fußsteig hüpfte eine Amsel mit ihren Jungen und fütterte sie aus einem alten Apfel. Karen zeigte sie dem Kinde, und es lachte und streckte die Arme nach den Vögeln. Da sah sie Lars wieder fest in die Augen. „Ich wußte, daß es nicht so bleiben würde, wie die Zeit im Winter. Ich wußte, daß Sie wieder zurecht kommen würden, Lars Asmussen.“ Die Sonne lag ihr wieder in den Augen.
„Warum wußten Sie das?“
„Das weiß ich nicht, aber ich weiß auch, daß alles wieder ganz hell wird in Ihnen. Gott wird Sie noch brauchen, Lars Asmussen.“
Lars hatte die Ellbogen auf die Knie gestützt und sah tief ins lange Gras hinunter. „Wenn man aber nichts merkt und nichts fühlt.“ — Er stockte.
„Sie fühlen es ja schon wieder, sonst wären Sie gar nicht so weit. Sie haben nur geschlafen bis jetzt.“ Sie war ganz rot geworden, solche Anstrengung war es ihr, so zu sprechen.
Er sah sie wieder an. „Vielleicht ist es so. — Es muß wohl etwas sein“ — er sprach nicht fertig, sondern stand langsam auf. Sie stand auch vor ihm. Das Kind hatte sie auf die Erde gleiten lassen, und es trottete zu den kreischenden jungen Amseln hinüber. Einen Augenblick ging es wie eine heiße Welle über sein Gesicht. Aber sie sah ihm fest in die Augen und gab ihm die Hand. Da hielt er sie fest in seiner schweren Arbeitsfaust, dann drehte er sich um und ging hinaus, und sein Gesicht war so ruhig wie sonst.
Auf den Koppeln stand fast überall das Korn in Hocken. Es knisterte förmlich in der warmen Sonne. Die Luft war sehr still. Hier und da schnarrte der metallene Grillenklang zwischen den glänzenden Stoppeln herauf. Lars stand und sah auf die strahlend weißen Wolken, wie sie hinter den Koppeln riesenhaft heraufwuchsen im tiefen Blau. Es war eine Stille in Lars Asmussen.
Er hatte vor den großen Rätseln gestanden und in die unergründliche Nacht gesehen. Aber er hatte mit Taten auf das Dunkel losgeschlagen. Und nun begann es, sachte, ganz sachte zu tagen. Und in Lars’ Seele war es so, wie zu der feierlichen Stunde, wenn der ernste Morgenwind vom kommenden Lichte raunt. Die letzten Jahre hatten harte Linien in sein Gesicht gegraben. Aber er ging wieder wie sonst fest und aufrecht seiner Arbeit zu.