Kords stand da, groß und dunkel gegen die helle See, und als stäken die überkräftigen, verarbeiteten Glieder überall zu groß aus seinen Kleidern hervor. Es war nichts von Spaß an ihm, nur etwas Mißmutiges, und eine ernste Wirklichkeit sah aus seinen tiefliegenden, kleinen Augen heraus. Als Lars ihn ansah, stellte er Hammer und Säge zur Seite und setzte sich auf den Bootrand. „Naa?“ fragte er noch einmal ernster.
Fast zornig, als rede er wider seinen Willen, und ruckweise fing Kords an:
„Du weißt doch, dazumal in der Stadt, als ich nicht streiten wollte und mir der Kerl den Kopf halb einschmiß? Na, den Kerl kriegte ich dazumal doch nicht zu packen. Aber denken konnte ich mir, wer’s war. Da war so’n junger, bummliger Lump, der konnte mich nicht leiden und soll nachher auch so ein paar Redensarten gemacht haben, daß man ganz gut merken konnte, der war’s! Na, der verfluchte Kerl ist nach Seegaade gezogen und fischt mit so ’nem andern Kumpan da draußen. Laß ihn, hab’ ich mir gedacht, wenn ich mir auch nichts Schöneres hätte denken können, als dem was verwischen! Nu fängt das Untier aber an, wenn draußen zu tolle See steht, und kommt hier in die Bucht. Ich das merken, und sobald draußen Sturm steht, leg’ ich mich mit meinem Boot hin und laure. Ich sage dir, Lars, auf hundert Meilen kenn’ ich das Boot! Wenn nun der Kerl um die Landspitze kreuzt, und ich merke schon, da und dahin geht der Kurs, dann lauf’ ich vor, werf’ Anker aus und fang’ an zu fischen, und er kann abziehen und einen andern Platz suchen. Und wenn ich dann merke, er hält Kurs auf einen guten Fischplatz, laufe ich noch mal vor.“ Kords lachte rauh und schlug mit der Faust aufs Knie. „Na, gestern war das denn auch so. Du weißt ja, jetzt im Sommer habe ich doch meinen großen Jungen mit im Boot. — Wie wir den fremden Kerl wieder reinlaufen sehen, gehen wir schnell Anker hoch und laufen ihm vor. Zweimal machten wir das, da wird er wild, kommt auf uns losgekreuzt, und wie er nah genug ist, fängt er ganz elend an zu fluchen. Na so was kann ich nicht so gut vertragen von so einem. — Du weißt ja, was das für ein Nordweststurm war gestern. Der Junge reißt das Segel hoch, und ich lege das Ruder um, so daß wir mit toller Fahrt losgehn, und eh’ der Kerl merkt, was ich will, habe ich ihn Steuerbord gerammt. Ich sage dir, Lars, der und sein Freund, die mußten schöpfen, daß sie trocken ans Land kamen, und meinem Boot hat’s kaum was gemacht!“ Kords lachte wieder fast roh heraus.
Aber Lars sah immer ganz gerade vor sich hin.
„Du mußt ihm Geld geben, daß er dich nicht verklagt,“ sagte er nach einer Weile bedächtig.
„Das tu ich nicht, ich wollte, er wäre ganz ersoffen!“
„Dann wirst du wohl ins Gefängnis kommen, denn der andere Mann kann ja bezeugen, daß du’s vorsätzlich tatest.“
Aber Kords stand finster da in der Dämmerung und sah nach der andern Seite.
„Dann verklag’ ich ihn wegen Mordversuchs.“