Sie hatten ernste, unbewegliche Gesichter, der alte Klaas Klaaßen und der junge Lars Asmussen, als sie langsam hintereinander die Treppe zu Herrn Brauns Wohnung hinaufstiegen. Sie sahen bedenklich auf das glänzende Türschild, auf dem Herrn Brauns Name und Würden standen.

Als sie aber wieder die Treppe hinunter stiegen, waren die Gesichter noch unbeweglicher, und die Augen suchten tief im Innern eine Welt, die sich nicht mehr finden lassen wollte.

Er hatte laut und unumwunden gesprochen, mit kurzen, eindringlichen Bewegungen, und der alte Fischer hatte zugehört mit seinen stillen, klugen Augen und nur manchmal mit dem großen, grauen Kopfe langsam genickt.

Was bot die große, bunte Welt mit ihren glitzernden Glücksstraßen dem langgliedrigen, unbeholfenen Jungen mit den Träumeraugen und der breiten Stirn? — Ein Tertianer ohne einen Groschen Geld und noch dazu ein Träumer, — Herr Braun hatte nicht viel Hoffnung. — Da war die Subalternkarriere bei der Post; oder er konnte Kommis werden, oder er ging zur See.

Konnte er sich da Geld sparen und schließlich zum Polytechnikum kommen irgendwie oder sich sonst heraufarbeiten? Lars’ Augen waren weit und dunkel.

Herr Braun zuckte die Achseln. Es hatte ja schon mancher so etwas erreicht, so ein strammer Strebsamer. „Du bist ja begabt, Lars, aber du bist langsam und verdöst. Mach dir lieber keine vergebliche Hoffnung!“

Und wie sie auf der Treppe standen, da überkam es ihn auf einmal, daß ihm das Leben das Buch vor der Nase zugeschlagen hatte.

Dann waren sie doch noch durch eine schwere Stadthaustür nach der andern gegangen und hatten gefragt und wieder gefragt in ihrer langsamen Weise. Lars hatte meistens das Wort geführt und ein Blick unter Großvaters dicken Brauen hatte den Ausschlag gegeben. Aber es war nichts gewesen. In den großen Kaufhäusern hatten sie den unbeholfenen Fünfzehnjährigen, der nicht einmal eine gute Handschrift schrieb, nicht gewollt; in den kleinen Läden war der Gehalt zu jämmerlich. Bei der Post war gerade keine Stelle in der Nähe frei, und es lockte Lars auch ganz und gar nicht.

So traten sie schon im Dunkeln wieder in die niedrige Tür, wo Mutter das Abendbrot noch bereit hielt, und sagten ihr, daß Lars Seemann werden müßte.

Da geschah es zum erstenmal, so lange Lars denken konnte, daß das große Schweigen von Mutters Gesicht zurückglitt und sie seine beiden Hände packte. Sie reichte ihm jetzt nur ein wenig über die Schulter. Einmal hatte sie ihn fortgegeben, ihren Einzigen. Nun kämpfte sie hart, daß er jetzt nicht hinauszog über die große, graue Weite, die so harte Lieder sang vor den Fenstern und nicht danach fragte, wer es war, den sie behielt. „Nein, nein! Nicht Seemann! Nein, Lars! Nein, Vater!“