„Ich will nicht für die dänische Sache arbeiten. Ich bin deutsch.“

„Und alles, was wir für dich getan haben, und alle Hoffnungen, die wir auf dich gesetzt haben?“ — Herrn Asmussens Stimme schlug um. —

Da stand Frau Henriette Asmussen wie hingezaubert. Und ihre stahlharten hellen Augen sprühten. „Damit du’s immer weißt, — dein Onkel macht wieder so viele unnütze Worte. — Wir haben dich an Sohnesstatt erzogen, damit du der guten Sache dienst, und wir werden auch weiter an dir handeln, wie an unserm leiblichen Sohn, wenn du zu uns stehst. Wir bieten dir einen schönen, reichen Beruf. Da kannst du dich heraufarbeiten, ein Führer von vielen und ein reicher Mann werden. — Wenn du aber bei deinem Undank bleibst, und wir haben alle Wohltaten an dich verschwendet, dann ist da die Tür!“ — Sie stand da, groß und mit den kalten, glitzerigen Augen. Herr Asmussen saß am Tisch und hatte den Kopf in die Hand gestützt.

Und alle die großartigen Worte und die großartige Art hatten etwas so Sonderbares zwischen dem Nippschrank und dem guten Plüschsofa und den biederen Gesichtern der alten Asmussen in den schwarzen runden Rahmen. Und die enge, muffige Stube und die großartigen Worte und der unbarmherzige Zwang, der überall herauslugte wie ein böses, langarmiges Tier, krochen an Lars heran wie eine große Bangigkeit. Es hatte alles vom ersten Tage an auf ihm gelastet, und je älter er wurde, je klarer hatte er es gefühlt, aber es hatte unter der Gewohnheit versteckt gelegen, und er hatte so dahingelebt in seiner Traumwelt, ohne sich davon Rechenschaft zu geben. Jetzt hatte er nur ein Bewußtsein zorniger Verhärtung. Man hatte ihm die Wohltaten vorgehalten wie einem Bettler. Aber aus dem Zorn wuchs ein klarer Gedanke herauf, wie wenn ein Sonnenstrahl in eine dunkle Stube fällt: „Jetzt bin ich frei.“

Beide, Onkel Gust und Tante Jette, sahen noch ganz verblüfft auf die Stelle, wo Lars eben gestanden hatte, und dann auf die geschlossene Tür.

„Das hast du nun wieder mit deiner bissigen Art. Es ist doch schließlich auch der Sohn von meinem einzigen Bruder.“ Onkel Gust war noch immer in der gerührten Stimmung. Tante Jette aber sah noch hart auf die geschlossene Tür. „Undankbares Krott,“ sagte sie.

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Die Krokus waren lange verblüht. An den Buchen waren die kleinen, feinen Blättchen herausgekommen und schimmerten silberig in ihrem schleierhaft zarten Duftegrün. Und die Fischer dachten an den Aalfang. —

Das war erst ein helles Träumen gewesen. Auf dem Rick hatte er gesessen und die Beine über dem Wasser hängen lassen, und Mutter und Großvater ließen ihn, denn dort machte er Pläne für seine Zukunft. Und wie das Wasser unter ihm hinfloß, eine grüne Welle nach der andern, — über der andern, — in der andern, — immer und immer wieder, so kamen die Gedanken und gingen wieder gemächlich und glitten zurück ins Unbewußte, und es war ein angenehmes Dämmern, und es kam nicht von der Stelle.

Und endlich fuhren sie nach der Stadt, um Herrn Braun zu fragen. Herr Braun war der Hauswirt, bei dem die Gymnasiasten wohnten. Er war ein Preuße mit einer lauten Stimme und einer knappen, selbstbewußten Art.