In der vorderen Stube ging Onkel Gust auf und nieder. Er war allein. Durch die offene Tür konnte man Tante Jette und Aage am Fenster sitzen sehn. Lars war bei der Tür stehen geblieben.
„Setz dich, mein Jung’, setz dich,“ sagte Onkel Gust. Da setzte er sich auf den Stuhl bei der Tür. Und Onkel Gust ging auf und ab, die Hände in den Hosentaschen. — Man hörte, daß sich Tante Jette nebenan räusperte.
„Ja, also mein Jung’, wir sind ja sehr zufrieden mit dir, und deine Lehrer auch, besonders mit deinen Aufsätzen. Im Sprechen bist du ja langsam, aber das Schreiben ist gut — auch das andere —, aber besonders das Schreiben, Herr Tiensen hat es auch gesagt.“
„Herr Tiensen?“ fragte Lars aus seiner Ecke. Herr Tiensen war der höfliche Herr vom dänischen Blatt.
Lars hatte keine Ahnung, wo der Onkel hinwollte. „Ja, mein Junge, — Herr Tiensen, gerade Herr Tiensen.“ Er war vor Lars stehen geblieben. Jetzt spielte er mit der schweren, goldenen Uhrkette. „Und was ich noch sagen wollte, — wir möchten uns doch alle nützlich machen, wo wir können, und der guten Sache dienen. Ich tue das ja auch, so weit es in meinen Kräften steht, das weiß auch jeder.“ Es schimmerte ordentlich feucht in Herrn Asmussens Augen, und die Stimme kam tief und überzeugungsvoll aus seinem Fett herauf. „Und ich habe schwer darunter gelitten, daß ich keinen Sohn hatte, den ich in den Dienst der guten Sache stellen konnte. Und nun Herr Tiensen es bestätigt, daß du begabt bist und einen guten Stil schreibst, ist es mir wie eine Gabe des Himmels.“ Herrn Asmussens Augen ruhten in feuchter Rührung auf dem Neffen. Aber der Neffe saß stumm und stocksteif im dunklen Winkel. „Ich möchte, daß du von jetzt ab noch ganz besonders Gewicht darauf legst in deinem Studium, — besonders auf den Aufsatz, auf den Stil.“ —
„Aber so sag es ihm doch endlich,“ klang es scharf aus der Nebenstube.
„Ja, mein Jung’, denke dir, welch’ ein Glück für dich: Herr Tiensen hält eine Stelle in der Redaktion seines Blattes für dich offen. Herr Tiensen ist sehr mit Arbeit überlastet. Du weißt ja, mit der Agitation und seiner Arbeit im Reichstag und was sonst, und er hofft nach allem, was er gehört hat, daß du dich rasch heraufarbeiten wirst und bald eine der oberen Stellen einnehmen und ihm in seiner großen, schönen Arbeit zur Hand gehn wirst.“
Jetzt richtete sich der Junge langsam auf. Nun stand er da in seiner ganzen Länge. Der Onkel trat rasch einen Schritt näher und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Ich weiß, ich weiß, mein Jung’, dein Großvater hat dir manches dumme Zeug in den Kopf gesteckt. Aber nun bist du groß und vernünftig geworden, und ich habe dir schon manche klugen Schriften über unsere geschichtliche Entwicklung zu lesen gegeben und dann über die wirtschaftlichen Vorteile und schließlich, du bist jetzt alt genug, daß du eine ehrenvolle, sichere Versorgung nicht mehr von der Hand weisen wirst. Es soll ja auch nicht gleich sein. — Du hast ja noch Zeit. Aber du sollst dich darauf vorbereiten, du sollst —“
„Nein, Onkel!“
Herr Asmussen trat einen Schritt zurück. „Was meinst du eigentlich?“