Das war ein Tag unmäßigen Stolzes gewesen, als sie zum erstenmal im eigenen Boote hinausfuhren. Sie hatten Gesichter aufgesetzt, als sei es eine alltägliche Beschäftigung. Ganz gleichgültig gingen sie mit den Rudern und Netzen über der Schulter im Ölzeug zum Strand hinunter, obgleich es sehr wenig regnete. Und die beiden hohen, jungen Gestalten mit den lachenden Augen in den gleichgültigen Gesichtern sahen aus, daß es eine Freude war im grauen Morgenlicht.

Und die Arbeit war eine Lust gewesen die ersten Male, und nur eine Lust.

Als aber die nassen Taue ihre Hände durchgezogen hatten und sie die harte Arbeit in jedem Gliede spürten, da war es ein ander Ding geworden. Peter Lassen hatte auch in der Ziegelei schwer gearbeitet, und nur das Ungewohnte war zu überwinden. Aber Lars’ Körper war noch weicher, und die Last war fast zu groß.

Peter Lassen zog den Mund manchmal ein wenig auseinander und zeigte die weißen Zähne, wenn Lars unversehens nach seinem schmerzenden Rücken langte oder aufzuckte, wenn ihm das Seil durch die offnen Wunden in der Hand glitt. Dann zog Lars zornig die Brauen zusammen und tat seine Arbeit ohne Klage. Aber nachts im Bett stöhnte er manchmal auf vor Schmerz.

Mutter sah es wohl, aber sie wußte, daß sie ihm nicht davon reden durfte.

Lars drückte die Lippen hart aufeinander, und in dieser Zeit setzte sich auf seinem Gesicht der hölzern-unbewegliche, fast finstere Ausdruck fest. Aber hinter den stillen Zügen, da arbeitete es. Wenn die harte Arbeit ihn losließ, dann kam er ins Grübeln, denn er war nicht im gleichmäßigen Einerlei von saurer Arbeit und müdem Behagen aufgewachsen. Sein Geist war wachgerüttelt worden, und das weiche, schlafende Land seiner Seele war nun schon manches Jahr bebaut worden. Und grade jetzt war der bewußte Drang nach Wissen in seiner schweigenden Jungenseele aufgestanden und hatte sich nach dem Fernen — Unbekannten gedehnt. Und es war etwas in ihm wach geworden, wie ein Hunger nach einem Großen, das er nicht kannte, und nach Taten, die ihm keiner hätte nennen können. Auch machten ihn jetzt die übergroße Müdigkeit und die schmerzenden Glieder noch mißmutig. Er konnte mit keinem von diesem sehnenden Leiden reden. Sie hätten ihn alle nicht verstanden, und Peter Lassen hätte womöglich noch gelacht. Und daß er alles so einsam trug, machte es noch schlimmer. Darum wuchs es in ihm zu einem Haß auf gegen diejenigen, die ihn so herumgeworfen hatten zu ihren selbstischen Zwecken. Wenn er an den fetten Onkel Gust dachte, oder gar an Tante Jette, dann ballte er die Fäuste.

Aber in Lars’ Seele war zu viel Leben, als daß sie hätte in Kummer und Grimm stecken bleiben können. Als das Rudern, Segeln und Fischen und der Stolz des ersten eigenen Verdienstes ihren Reiz verloren hatten, suchte er nach etwas Neuem, um seine überschüssige Kraft daran zu erproben. Das Zimmern und Bauen hatte ihm von je her mehr Freude gemacht als alles andere. Auch hatte er in der Stadt oft in seinen freien Stunden bei einem alten Bootbauer herumgesessen. Nun kroch er immer um Großvaters Winterboot, wenn er Zeit hatte, und befühlte es und hockte sich daneben und sann.

So ging der Frühling herum und ein Teil des Sommers.

An einem Sonntagmorgen, als die andern alle fort waren, saß er wieder bei Großvaters Boot, und die weich verschwommenen Sonnenstrahlen und die großen Wolkenschatten liefen über ihn hin.