Sie waren zusammen bis Aalby gewandert.
„Nun mußt du mit hereinkommen und meine Frau sehen,“ sagte Jakob.
Sie standen vor dem niederen, grünumwachsenen Hause. Lars blieb scheu zurück. Aber Jakob trat in den Flur, und dann klinkte er gleich die Tür zur Wohnstube auf, und eine behagliche Flut von Licht und Wärme wallte Lars entgegen. Er sah in die lange Stube hinein. Hinten am Tisch im warmen Lampenschein saß eine runde, frische, junge Frau über die große Näharbeit gebeugt, und ein großes, blondes Mädchen saß geradeüber.
Als Jakob eintrat, sprang die Frau auf und gleich an seinen Hals. — „Endlich!“ rief sie, und ihre Stimme hatte einen hellen, warmen Klang. „Wir haben schon so lange gewartet!“
Lars war im Halbdunkel bei der Tür stehn geblieben und drehte an seiner Mütze.
Da wandte sie sich zu ihm. „Ist das Lars?“ fragte sie und faßte ihn gleich bei der Hand. Da wurde ihm ein wenig behaglicher zumute. „Karen und ich haben schon gedacht, ob du ihn mitbringst.“
Lars sah auf die andere. Die war hoch gewachsen und stand da sehr still, und ihre hellen Augen sahen prüfend tief in ihn hinein, daß es ihm fast wieder unbehaglich wurde bei dem forschend ernsten Blick. Aber die kleine Frau Lind ließ ihm keine Zeit dazu. Sie zog ihn an den Tisch, und er mußte sich zwischen sie und Jakob setzen in den traulichen Lampenschein. Sie fragte ihn über die Schuljahre mit Jakob aus. So etwas war ihm noch nie begegnet, wie die freundliche Art der kleinen Frau Lind mit ihrer fröhlich schwatzenden Munterkeit. Und dazwischen kamen Jakobs verständige Worte, die so klangen, als ob sie einen Luftzug aus der fernen, versunkenen Welt des Wissens und Forschens herüber brächten.
Erst war es, als passe Lars nicht recht da auf den Lehnstuhl zwischen die beiden Lehrersleute mit seinen großen, verarbeiteten Gliedern, dann aber setzte er sich ordentlich behaglich zurecht, er wußte selbst nicht warum. Ohne daß er es ahnte, war sacht eine Tür in seiner Seele aufgegangen. Wenn er jetzt aufsah, dann traf er den ernsten, prüfenden Blick des blonden Mädchens. Aber die forschenden Augen waren ihm nun nicht mehr unbehaglich. Dies klare Schauen gehörte wohl mit zu der lebendig-fröhlichen Wärme, wie sie hier im Schulhaus wohnte.
Und als Lars endlich über die dunklen Koppeln nach Hause ging, da war etwas Fröhliches in ihm, was er sonst nicht kannte.