„Da bin ich Lehrer geworden,“ sagte er.
Dann war er still, und Lars hörte, wie es in den trockenen Buchenblättern klappernd raschelte.
„Aber es ist mir gar nicht so schwer geworden,“ fing er dann wieder an. „Weißt du, Lars, das ist so: erst kommen sie da mit tausend Fragen und Meinungen, und man wird ganz wirr, und die ganze Welt ist zuletzt schwarz und tot und gibt auf nichts mehr Antwort. Und wenn man dann still ist und die Augen aufmacht, dann wächst es doch wieder wie ein Licht aus dem Finstern.
Und das schien mir immer das Herrlichste, von dem Licht den armen, geplagten Menschen hintragen zu dürfen. Aber daraus ein Amt zu machen mit Regeln und Würden, das war mir ganz zuwider. Und da ist es mir ganz recht, daß ich nur ein Schulmeister geworden bin.“
Das konnte Lars wohl verstehen, und dann fing Jakob an und fragte ihn, wie es bei ihm gewesen war mit dem schlichten Arbeiterleben. Und allmählich kam Lars in das Erzählen, und Jakob erfuhr von den ersten harten Arbeitsjahren und vom ersten jungen Stolz beim Bauen der eigenen Boote und von den Jahren als Soldat und der Möglichkeit, heraufzukommen. Aber immer wieder klang es durch, daß er frei sein wolle und bleiben wolle, so wie es ihm selbst gefiel.
Und dann schwiegen sie wieder, und sie hörten den Klang ihrer eigenen Füße auf der harten Straße und hörten vom nahen Wald ein Käuzchen schreien, und im trüben Mondgedämmer lag rings wie in heimlichen Schleiern das weite Land.
Lars wußte selbst nicht, wie es geschah, aber in der wunderlichen Nachtstille trotz all der heißen, wühlenden Unrast in seiner Seele fühlte er doch wieder das Sehnen nach etwas Besserem aus dem Grunde aufsteigen, und mit knappen, halb verständlichen Worten sagte er Jakob auch von dem.
„Ja,“ sagte da Jakob Lind, „es war ein alter Professor an der Universität, der war uns Jungen ein lieber Freund. Den fragte ich mal so was Ähnliches. ‚Den Drang haltet nur wach,‘ sagte der. ‚Der lügt euch nie. Die Arbeit kommt von selbst, wenn ihr reif seid. Vielleicht daß ihr sie tut, ohne daß ihrs selber wißt.‘“
„Das hätte Großvater wohl ähnlich denken können,“ meinte Lars.