Da stand er auf und trat mit Jakob aus dem Hause.

Es war eine milde Nacht für den beginnenden Winter. Durch die grauen Wolken drang ein verschwommenes, bleiches Schimmern, und von Zeit zu Zeit ward die gelbe Mondscheibe sichtbar. Die kahlen Zweige ragten wie angstvoll gespreizte Finger. Und hier und da schrie eine Eule in ödem Klageton nach dem Genossen.

Wie ins Unendliche hinein dehnten sich die kahlen Felder. Vor ihnen lag wie ein massiger, schwarzer Klumpen der Wald. Am Wege standen nur hier und da einsam ragende, schwarze Bäume. Manchmal rieben sich die dürren Zweigenden raschelnd, oder ein Nachtvogel flog mit schwer klappendem Flügelschlag in das weite Dunkel hinaus.

Es war wie ein Warten in der Luft auf ein wunderlich Verborgenes. Als müsse das Wort zu finden sein, mit dem die heimlichen Tiefen sich aufschließen und man hineinblickt in den Wurzelgrund des Seins.

So eine Nacht war es, die den Menschen aus sich heraushebt, daß er seines kleinen Selbst vergißt.

Die zwei Männer hatten sich viel zu sagen. Es waren nicht nur die alten Erinnerungen, es war noch ein anderes, das sie zusammenzog. — Wer kann den Finger auf die Stelle der Seele legen, aus der es aufklingt wie tiefer Glockenton und das Echo aus der anderen Seele weckt?

Sie wußten es auch nicht, was die Dinge aus ihrer Seele heraufrief, die sonst schweigend im Unbewußten ruhten.

Sie fingen an und erzählten von den vergangenen Jahren, so gut sie konnten; denn sie waren beide langsame Menschen, und ihr Denken und Grübeln lag oft tief, ihnen selbst fast verborgen.

Jakob hatte sich mühsam mit seinen geringen Mitteln bis zur Universität gearbeitet. Als er erst wenige Semester dort war, starb sein Vater, und es galt, schnell Geld verdienen für die Mutter und die kleinen Geschwister; denn sie waren sehr arme Leute.