Kreidelandschaft.
Tiere: Maassaurier, Kreidevögel (Ichthyornis), im Hintergrund ein Iguanodon.
Pflanzen: Zypressen, Palmen, Weiden.
Im ersten Jahre wurde mit 150 Arbeitern begonnen, im zweiten mit 200, und diese Zahl stieg allmählich auf 500. Es sind drei übereinanderliegende Saurierschichten vorhanden, die verschiedenen Zeiten, aber insgesamt der ältesten Kreideperiode angehören, somit gleichaltrig sind wie die berühmten Kreideschichten in Nordamerika. Welche Riesen (Gigantosaurier) zutage gefördert wurden, mag folgender Vergleich zeigen:
| Ein Oberarmknochen | des | Diplodokus | mißt | 0,95 | Meter |
| „ „ | „ | Gigantosaurus | „ | 2,10 | „ |
| „ Halswirbel | „ | Diplodokus | „ | 0,65 | „ |
| „ „ | „ | Gigantosaurus | „ | 1,2 | „ |
| „ Schulterblatt | „ | Diplodokus | „ | 1 | „ |
| „ „ | „ | Gigantosaurus | „ | 2 | „ |
| Eine Rippe | „ | Diplodokus | „ | 1,86 | „ |
| „ „ | „ | Gigantosaurus | „ | 2,5 | „ |
| Der Hals | „ | Diplodokus | „ | 7 | „ |
| „ „ | „ | Gigantosaurus | „ | 12 | „ |
Neben einem solchen afrikanischen Riesendrachen erscheint der größte lebende Bewohner Afrikas, der Elefant, tatsächlich als ein Zwerg. Leider fand man bis jetzt niemals vollständige Skelette, sondern nur einzelne Knochen, so daß es schwer hält, sich ein Bild vom ganzen Tier zu machen.
Über die afrikanischen Arbeiter, welche auf die 20 Fundstellen verteilt waren, sind die Leiter der Expedition des Lobes voll. Dr. Hennig berichtet darüber: „Wenn man auf der Ausreise von Aden ab das schwarze Gesindel der Hafenstädte kennen lernt, so bildet sich ein unter Umständen schon in der Heimat eingeflößtes schlechtes Vorurteil in verstärktem Maße aus. Schon in Lindi, das dem großen Verkehrsweg einigermaßen entrückt ist, herrschen wesentlich erfreulichere Zustände, wie selbst Daressalam gegenüber nichtdeutschen Häfen ein günstigeres Zeugnis ausgestellt werden kann. Im unberührten Lindi-Hinterland aber sitzt eine Bevölkerung, die ich aufrichtig liebgewonnen habe. Am wichtigsten und erstaunlichsten zugleich war die Anstelligkeit, mit der sie nicht nur die ungewohnten Grabgeräte handhaben lernten, sondern sehr bald sich auch in die feineren Präparationsarbeiten hineinfanden. Bei den oft brüchigen Knochen in härterer Gesteinsumhüllung erforderte die Präparation zweifellos Hingabe an die Arbeit, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit. Bei dem Umfang, den das Werk bald annahm, war es unmöglich, diesen Teil der Arbeit uns selbst vorzubehalten, ganz abgesehen von der Bedenklichkeit des Unterfangens, sich als Europäer der vollen Tagesglut im windgeschützten glühenden Schacht dauernd auszusetzen.
Wenn man wünschenswerte Eigenschaften im Neger nicht findet, so liegt das in sehr, sehr vielen Fällen nicht am Objekt, sondern am Sucher! Denn auch ohne fremde Erziehung, schon aus eigenem Wesen heraus, weisen die Eingeborenen im Süden der Kolonien manchen sehr sympathischen Zug auf. Der Grundton ihres Wesens ist Sorglosigkeit; sie kann sich als Fatalismus, als Mangel an Voraussicht (zumal in Verpflegungsfragen) äußern, sie gibt sich aber auch in jener heiteren Gemütsart kund, die jederzeit zu Scherz und Spiel bereit und für Humor überaus empfänglich ist, die auch über erlittenes Ungemach schnell hinwegzuhelfen vermag. Ich habe gesehen, daß beim Abbrennen eines Dorfes nach der unter Geschrei und Gezänk beendeten Löscharbeit sofort die Aufräumungsarbeiten mit lustigem Gesang aufgenommen wurden.
Endlich ist die Intelligenz keineswegs zu verachten. Und zwar besteht nicht nur Empfänglichkeit für Neues und Ungewohntes, sondern vielfach auch eine gewisse aktive Beweglichkeit, die den Dingen aus eigenem Antrieb entgegengeht. Der erste Eindruck der Arbeiten bei der umwohnenden Bevölkerung war natürlich eine Verwunderung darüber, daß die Europäer etwas in ihrem armen Lande zu finden und auszunutzen verstanden, was sie selbst nie beachtet noch zu verwenden gewußt hatten. Es drangen zweifelnde Fragen bis zu uns, was denn wohl aus den Funden gemacht werden könne; die einzigen Möglichkeiten, die ihnen dabei vorschwebten, waren: Zaubermittel, Geld oder Tücher! Dann traten doch aber bald auch tieferforschende Fragen auf, nach dem Namen und Wesen des Tieres, nach der Herkunft solcher Reste und ihrem Alter, nach der Lebensweise und dem Vorhandensein in der Gegenwart, ganz vereinzelt wohl auch der staunende Gedanke: woher wissen die Weißen das alles? Das letztere Problem hörte ich übrigens mit der ersichtlich voll zufriedenstellenden Antwort lösen: ‚Die Europäer lernen so etwas in der Schule.‘ ... Der Gedanke, daß dort, wo sie jetzt schafften und lebten, einst Meer gewesen sei, daß zur Zeit, da diese Ungeheuer ihr Wesen trieben, es noch keine Menschen gegeben habe, daß die versteinerten Muscheln, Schnecken, Fische an Ort und Stelle im Wasser gestorben seien, wo sie doch seit Menschengedenken nur Busch zu sehen gewohnt waren, bereitete ihrer Vorstellungskraft keinerlei Schwierigkeiten.“
Über die ausgegrabene Saurierwelt selbst schreibt Dr. Hennig: „Die ungeheure Größe einiger der ostafrikanischen Dinosaurier macht sie zu den gewaltigsten überhaupt je bekannt gewordenen Landbewohnern der Erde. Ist die Größe an sich auch ohne sonderliche wissenschaftliche Bedeutung, so war sie doch selbst für Fachkreise eine Überraschung, hauptsächlich aber für uns, die wir diese Giganten aus dem Erdreich herausschälen durften.