Ein ebenso wunderlicher Kauz, ein Vetter des vorigen, war der Dreihorndrache (Trizeratops), 8 bis 9 Meter lang, wovon 2 Meter auf den spitzdreieckigen, vorn ebenfalls in einen Schnabel endigenden Kopf entfallen. Dieser Schreckdrache, der also im Gegensatz zu seinem mikrozephalen Vetter zu den „Großköpfen“ gehört, trug neben einem meterlangen Horn über der Nase noch zwei seitliche hintere Hörner über den Augen. Der Hinterkopf endete in einen knöchernen Nackenschirm, der am Rande mit zackigen Knochenplatten besetzt war und wie eine große Halskrause aussieht. Die Zähne deuten auf Pflanzennahrung und haben — bei Reptilien etwas Unerhörtes — zwei Wurzeln, was sonst nur bei Säugetieren vorkommt. Auch die Glieder weisen gewisse Säugetiermerkmale auf, die Zehen tragen nämlich große Hufe, wie diejenigen der Huftiere (Schweine, Pferde, Wiederkäuer). Dazu der gehörnte Kopf, der an gewisse Urhufer der Braunkohlenzeit gemahnt.
Diese Säugetierähnlichkeit ist noch größer beim Einhorndrachen (Monoklonius) mit mächtigem, nach rückwärts gekrümmtem Horn, dem Zweihorndrachen (Dizeratops) und dem Stierdrachen (Torosaurus), alle der oberen Kreideformation Nordamerikas angehörend. Vereinzelte Bruchstücke einer nahe verwandten Art wurden auch bei Wiener-Neustadt gefunden. Dem winzigen Gehirn nach zu schließen, sind alle Horndrachen sehr stumpfsinnige Geschöpfe gewesen.
Afrikaner.
Nordamerika galt als das Paradies der Schreckdrachen, und seine Reptilienwelt überragte alles bis anhin Bekannte. Da trat Afrika als Konkurrent auf, und zwar — wer hätte das für möglich gehalten? — mit Erfolg. Zunächst richtete die Südspitze des Schwarzen Erdteils die Augen der Paläontologen auf sich. Dort — in der sogenannten Karrooformation — entdeckte man nämlich eine Menge versteinerter Knochen, welche von einer höchst seltsamen Tierwelt zeugten, die in der Perm- und Triaszeit dort gehaust. Die einen jener Knochentrümmer schienen einer besonderen Gruppe von Uramphibien (Wickelzähnern, Panzerköpfen) anzugehören, andere waren entschieden reptilienhaft und manche, besonders die Zähne, wiesen auf niedere Säugetiere hin. Die Bezahnung ließ nämlich eine Gruppierung in Schneide-, Eck- und Backenzähne erkennen. Sollte man es hier mit den Stammvätern der höchststehenden Tierklasse zu tun haben? Sollte nun Licht in die Dunkelheit ihrer Herkunft fallen? Die hochgespannten Erwartungen der Forscher erfüllten sich nicht. Immerhin ist zu sagen, daß jene Afrikaner höchst interessante Zwischenformen (Kollektiv- oder Sammeltypen) und daß die berühmtesten unter ihnen, die Theromorphen, das heißt die Säugetierähnlichen, offenbar Seitenzweige jenes Hauptastes sind, dem die Ursäugetiere entstammen. Zwischen beiden bestehen nicht bloß oberflächliche Ähnlichkeiten (Analogien), sondern enge verwandtschaftliche Beziehungen.
Abb. 15. Schädel eines Wolfsauriers aus der südafrikanischen Trias. a. Oberkiefer. b. Unterkiefer.
Die „Säugetierähnlichen“ bewohnten übrigens nicht ausschließlich Südafrika, sondern auch Amerika, Ostindien, Europa (Rußland, England, Frankreich, Deutschland, Schweiz). Sie scheinen samt und sonders schon in der Triaszeit ausgestorben zu sein; die heutige Tierwelt hat nichts Gleichartiges. Man kennt zirka 100 Gattungen; ihre versteinerten Skelette sind meist schlecht, oft nur in wenigen Knochenstücken erhalten und dann schwer zu deuten. Unter den vielen Arten gibt es Zwerge, die nur die Größe einer Ratte erreichen, aber auch einzelne schwerfällige Riesen von Nashorngröße. Ich führe nur zwei Vertreter mit Namen an, den Wolfsaurier (Lykosaurus), ein Raubtier mit scharfem Gebiß, und den plumpen Pareiasaurus (Backensaurier), ein bizarres, drei Meter langes Monstrum, ein „dackelhafter Bär“ auf kurzen, dicken, geknickten Beinen, deren unglaublich dicke Zehen wahrscheinlich zum Graben eingerichtet und mit großen Krallen versehen waren. Er hielt sich wohl mit Vorliebe an der Küste auf und ernährte sich von allerlei kleinem Getier, das er aus der Erde hervorscharrte. Der breite, kurze Schädel war mit vielen Höckern und der Unterkiefer mit zapfenartigen Auswüchsen geziert. Von einem ähnlichen Biest (Sklerosaurus) fand man Überreste im Buntsandstein von Riehen bei Basel. Aber damit sind wir mit Afrika und den Afrikanern noch keineswegs zu Ende.
In den allerjüngsten Zeiten ging uns von dem rühmlich bekannten Stuttgarter Geologen Fraas die unverhoffte Kunde zu, daß drüben in Deutsch-Ostafrika sich ein Drachenfriedhof befinde, der mit den amerikanischen Fundorten im Staate Wyoming in jeder Hinsicht den Vergleich aushält. Dort ist nun eine reichsdeutsche Expedition seit einigen Jahren beschäftigt, die wunderbaren Reste ausgestorbener Tierriesen auszugraben und der wissenschaftlichen Untersuchung zugänglich zu machen. Jene Gigantosaurier (Riesendrachen) scheinen ihren amerikanischen Vettern, den Atlantosauriern, Zanklodonten, Panzerdrachen usw. mindestens ebenbürtig zu sein. Wie in Wyoming liegen die Knochen teilweise an der Oberfläche oder in geringer Tiefe, aber deren Konservierung und Transport zur Meeresküste und von dort nach Europa ist ein ebenso schwieriges wie kostspieliges Geschäft. Das Berliner Museum hat bereits durch jene Funde eine erstaunliche Bereicherung erfahren.
Die Grabungen werden am Tendaguruhügel, nordwestlich von Lindi vorgenommen, wobei benachbarte Negerstämme das Ausgraben und den Transport besorgen. Die Arbeiten sind mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden. Fürs erste sind jene Gegenden mit fast undurchdringlichem Gras- und Buschwald bewachsen und weit ab von Verkehrslinien, sodann macht die Regenzeit jede Arbeit unmöglich, und im Sommer, wo gar kein Regen fällt, hat man mit Hitze, Fiebern, Nahrungsmangel und einem Heer bösartiger Insekten zu kämpfen, nicht zu rechnen mit den Überfällen von Löwen, Leoparden und Schlangen.