Abb. 13. Dach- oder Panzerdrache.
Einen hochinteressanten Fund machten vor kurzem die Gebrüder Sternberg im westlichen Teil der Union, sie förderten den vollständigen Kadaver eines Diplodokus mit erhaltener Hautbedeckung zutage. Das betreffende Riesenvieh scheint durch einen Unglücksfall umgekommen und auf eine Sandbank im Flusse geschwemmt worden zu sein. Dort wurde es zu einer Mumie ausgetrocknet und durch gewaltige Schlammassen, die später zu Tonschiefer erhärteten, zugedeckt. Die Haut ist mit seltsamen zarten Schuppen gespickt. Der ganze Kadaver, der auf dem Rücken lag, bedeckte eine Fläche von 12 Quadratmeter.
Panzer- und Horndrachen.
Abb. 14. Dreihorndrache, rechts oben ein Pteranodon.
Diese stehen den vorigen an Größe beträchtlich nach, sehen aber dafür um so putziger, wirklich drachenhaft aus. Fast möchte man wähnen, ein phantasievoller Fabulierkünstler des Mittelalters hätte dieselben erfunden. Die Panzerdrachen oder Dachdrachen (Stegosaurier) waren plumpe Riesen von mindestens Elefantengröße, jedoch weit beträchtlicherer Länge, nämlich bis zu 10 Meter! Sie hatten wieder die Gewohnheit der alten Reptilien angenommen, das heißt sich einen dicken Panzer angeschafft, also ein Rückfall auf eine tiefere Entwicklungsstufe; denn das Hautskelett ist das ursprüngliche, das älteste; erst verhältnismäßig spät machte sich das innere Knochenskelett geltend, wodurch das erstere allmählich überflüssig wurde, weil es die aufsteigende Entwicklung hinderte. Der Rückenpanzer, der sich vom Kopf bis zur Schwanzspitze erstreckte, bildete ein schützendes Dach aus starken, dicken Schilden und war überdies mit einem ungeheuren Kamm versehen, der aus zwei Reihen aufrechtstehender meterlanger Platten bestand. Am Ende des langen Schwanzes waren jene Knochentafeln zu spitzigen halbmeterlangen Stacheln reduziert. Das war zweifelsohne eine sehr gefährliche Waffe, und der Koloß konnte damit furchtbare Schläge austeilen. Die Kehlgegend war durch einen besonderen Knochenharnisch geschützt. Offenbar fehlte es zu jener Zeit (untere Kreide) nicht an mächtigen Feinden. Die Glieder sind ungleich lang, und zwar sind die vorderen wieder beträchtlich kürzer als die hinteren. Die Zahl der Zehen betrug je fünf, jedoch waren bei den Hinterfüßen die beiden äußeren verkümmert, so daß das Tier nur mit je drei Zehen austrat. Dadurch entstanden sonderbare Fährten, die den Eindruck erweckten, als seien zwei ganz verschiedene Tierarten (Herr und Diener) stets miteinander oder vielmehr hintereinander auf dem nassen Boden dahingewandelt. Der kleine Kopf mit einer Art Iguanodongebiß endete in einen plumpen Schnabel, was dem gepanzerten Ungeheuer ein besonders phantastisches Aussehen verschaffte. Besondere Erwähnung verdient die Schädelhöhle; dieselbe ist nämlich sehr klein, so daß nur ein winziges Gehirn in derselben Platz hatte. Der Rückenmarkkanal im Kreuzbein ist wohl zehnmal so groß als die Hirnhöhle, so daß man von einem „Kreuzbeinhirn“ gesprochen hat. Letzteres bestand aber selbstverständlich nicht aus Hirnsubstanz, sondern aus Nerven für den kolossalen Hinterkörper.
Diese Panzerdrachen haben sich wohl durch eine geradezu beispiellose Dummheit ausgezeichnet. Sie konnten wahrscheinlich gleich den Iguanodonten aufgerichtet auf den Hinterbeinen einherschwanken, aber ebensogut auf allen vieren davonstapfen.