Die Gürteltiere, niedrigstehende altertümliche Säuger Südamerikas, besitzen einen aus Knochenplatten bestehenden Panzer und erinnern damit an Schildkröten, denen sie auch hinsichtlich Langsamkeit und Stumpfsinnigkeit ähneln. Die kleinste Art, der Schildwurf, auch Gürtelmaus genannt, wird nur spannenlang und führt nach Art der Maulwürfe eine unterirdische Lebensweise, die größte Form, das heutige Riesengürteltier, erreicht die Größe eines Schweines und hat in den Kiefern zirka hundert stiftförmige Backenzähne. Alle sind im Besitz von Sichelkrallen, mit denen sie Erdhöhlen graben und nach Insekten und Würmern wühlen; sie sind übrigens Allesfresser und nehmen auch Aas und Früchte an. In der Gefangenschaft werden sie meist mit rohem Pferdefleisch, Brot und Milch ernährt. Ihr Fleisch soll sehr schmackhaft sein, weshalb sie viele Feinde haben und immer seltener werden. Bei Verfolgung kugeln sie sich zusammen oder graben sich mit erstaunlicher Schnelligkeit in den Boden ein.
Abb. 23. Lebendes Gürteltier.
Die ausgestorbenen waren schwerfällige, unbehilfliche Riesen, so die Glyptodonten, welche die Größe einer Kuh erreichten. Sie konnten sich nicht zusammenkugeln, weil der Panzer starr war wie bei den Schildkröten. Der Kopf war gleichfalls mit Knochenplatten geschützt und der Schwanz steckte in einem dicken Knochenfutteral. Man kennt mehrere Dutzend Arten solcher Panzertiere, deren Wohngebiet sich von Patagonien bis zum südlichen Teile der nordamerikanischen Union erstreckte. Interessant ist die Beobachtung, daß die großen Panzer derselben von den Urmenschen als Aufbewahrungsstätten benutzt wurden. Die Knochen sind herausgenommen, und häufig findet man im Innern bearbeitetes Hirschgeweih, zertrümmerte Schädel, aufgeschlagene Röhrenknochen und Zähne eines riesigen Urnagers, welche offenbar als Messer dienten. Wie eine Überlieferung aus jener längst verflossenen Zeit klingt die Kunde, daß heute noch im Staate San Paolo (Brasilien) Gürteltierpanzer als Wiegen Verwendung finden.
Huftiere.
Die Huftiere weisen einen großen Formenreichtum auf und machen im ganzen durchaus den Eindruck von modernen Geschöpfen, doch sind darunter auch einige altertümliche Typen, nämlich die Nashörner, Tapire und Flußpferde. Die alte Einteilung in Einhufer, Zweihufer und Vielhufer hat sich als unnatürlich und daher unbrauchbar erwiesen, denn sie steht mit der Entwicklung der Ordnung, soweit dieselbe zur Stunde bekannt ist, im Widerspruch. Die aufgefundenen fossilen Huftiere beweisen nämlich, daß der ganze Stamm in zwei nebeneinander her gehende Zweige sich gabelte, in solche mit gerader und solche mit ungerader Hufzahl. Zu den Paarhufern oder Paarzehern gehören die Schweine, Flußpferde und Wiederkäuer, zu den Unpaarhufern die Tapire, Nashörner und Pferde.
Abb. 24. Ausgestorbenes Riesengürteltier.
Unter den ausgestorbenen Vorfahren derselben finden wir einige originelle Gesellen, die wohl der Erwähnung wert sind. Besonders schöne Funde wurden in Nordamerika gemacht, wo ähnlich den „Katakomben“ der Pampasformation und den berühmten Saurierfriedhöfen förmliche Knochenlager entdeckt worden sind.